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Woran Deutsche glauben
Welcher Gott?


„Die Mehrheit der Deutschen glaubt an Gott (62 Prozent) und an Jesus Christus (56 Prozent)“, vermeldet freudig das evangelische Monatsmagazin Chrismon, nachdem in seinem Auftrag das Emnid-Institut im September 1006 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger interviewt hatte. Nicht hinterfragt wurde dabei allerdings, welche Gottesvorstellungen dahinterstecken – und welche Bedeutung sie für das eigene Leben, für den Umgang mit Anderen überhaupt noch haben.

Unter den Heilern und Therapeuten des „Auswege“-Netzwerks würden sich mindestens Dreiviertel als religiös bezeichnen – doch höchstens jeder Fünfte hängt noch einem christlichen Gottesbild an, es überwiegen pantheistische, buddhistische und hinduistische Vorstellungen. Und dass vor 2000 Jahren ein Wanderprediger namens Jesus lebte, kann man für eine historische Tatsache halten, ohne in ihm den einzig wahren, jungfräulich geborenen „Sohn Gottes“ zu sehen. – Derselben Emnid-Umfrage zufolge glaubt nur noch jeder dritte Deutsche an Jesus´ Auferstehung von den Toten (34 Prozent) und das ewige Leben (34 Prozent), wie es die Bibel in Aussicht stellt. Unchristliche Vorstellungen vom Weiterleben nach dem Tod ließ Chrismon demoskopisch gar nicht erst nicht erfassen.

Welche Rolle spielt religiöser Glaube überhaupt noch im Alltag, für die Gestaltung des eigenen Lebens, für den Umgang mit Anderen? Wie dramatisch unwichtiger er geworden ist, verdeutlicht eine im Oktober durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa, im Auftrag der Fernsehzeitschrift Hörzu (Nr. 45/30.10.2015), unter 1000 Bundesdeutschen über 14 Jahren. Nahezu zwei Drittel der Befragten erklären demnach, Religion habe in ihrem Leben „keine“ oder „geringe“ Bedeutung (61 Prozent); im Osten Deutschlands gilt dies sogar für 83 Prozent. (Im Westen liegt der Wert bei 57 Prozent.) „Sehr große“ Bedeutung hat Religion nur noch für zwölf Prozent. Zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus ist praktizierter Glaube demnach zur Rarität geworden.

Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, spaltet die Nation: 47 Prozent bejahen, 46 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Unter den 14- bis 29-jährigen äußern sich 65 Prozent zustimmend, unter den über 60-jährigen 56 Prozent ablehnend.

Gleichzeitig betrachtet eine knappe Zwei-Drittel-Mehrheit der Bevölkerung die Vielfalt der Religionen als eine „Bereicherung für die deutsche Gesellschaft“ (64 Prozent). Am höchsten ist die Zustimmung bei den 14- bis 29-jährigen mit 73 Prozent, beinahe ebenso hoch bei Katholiken und Protestanten (68 Prozent).



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