Logo_AUSWEGE_Therapiecamp 200p
Lichtblicke bei vermeintlicher „Behandlungsresistenz“
Kranke Kinder im 14. Auswege-Camp

Epilepsien ließen nach, eine chronische Bronchitis klang weitgehend ab, Ekzeme bildeten sich zurück, eine Autismus-Diagnose löste sich in Luft auf, von ADHS NEWSL Ki im Camp 300p IMG_8011keine Spur mehr: Auch vom 14. Auswege-Camp Anfang Mai im nordhessischen Schwarzenborn nahe Kassel profitierten chronisch kranke Kinder in verblüffendem Maße. Besonders bewegend waren Fortschritte bei körperlich und geistig schwerbehinderten, stark entwicklungsverzögerten Jungen und Mädchen. Nur in zwei von neun Fällen verbesserte sich in den sich Symptome nicht nennenswert – trotzdem tat den Betreffenden die Campteilnahme offenkundig gut.

Um die Anonymität der Teilnehmer zu wahren, werden im Folgenden keine Nachnamen und Wohnorte genannt, Vornamen durch Pseudonyme ersetzt (mit * gekennzeichnet).


NEWSL Anita 150p
Anita* (2)
schwere Entwicklungs-, Bewegungsstörung, Schielen
Näheres hier.








NEWSL Miriam 150p
Miriam* (2)
Epilepsie, Entwicklungsverzögerung
Im April 2012, vier Monate nach ihrer Geburt, wurde bei Miriam kurz nach einer Impfung ein West-Syndrom festgestellt, eine seltene, besonders schwer zu behandelnde Form von Epilepsie. Typischerweise führt sie zu „BNS-Anfällen“ („Blitz-Nick-Salaam“), die drei Charakteristika aufweisen: blitzartig auftretende Myoklonien mit überwiegender Flexionsbewegung der Extremitäten, insbesondere der Beine (Blitz-Anfall); krampfartige Beugung des Kopfes (Nick-Anfall); Hochwerfen und Beugen der Arme, wobei die Hände vor der Brust zusammengeführt werden und der Rumpf gebeugt wird (Salaam-Anfall). Stationäre Behandlung mit mehrerlei Antiepileptika machten das Mädchen kurzzeitig anfallsfrei, bald traten jedoch wieder mehrere Anfälle pro Tag auf. Erfreulicherweise verschwanden sie im April 2013, nach homöopathischer Behandlung und Akupunktur, so dass die Kleine bereits anfallsfrei ins Camp kam. Jedoch brachte sie eine deutliche Entwicklungsverzögerung mit, wie sie bei Kindern mit dem Einsetzen einer Epilepsie typischerweise einhergeht: Mit ihren damals knapp zwei Jahren konnte Miriam noch immer nicht sitzen, nicht einmal krabbeln. Physiotherapie und Osteopathie hatten bis dahin, nach Angaben der Eltern, bloß „geringe Fortschritte gebracht“.
Während sieben Camptagen Anfang September 2013 in Thüringen machte Miriam erstaunliche Fortschritte: „Sie bewegt sich mehr“, stellte der leitende Arzt fest, „sowohl im Kinderwagen als auch auf dem Boden beim Robben. Sie ist wacher, schaut gezielter, lächelt und lacht häufiger.
Sie ist lebendiger geworden, nimmt ihre unmittelbare Umgebung stärker wahr, schaut anderen Personen nach.“ Auch die Eltern erlebten sie „agiler, wacher, interessierter“.
Bei einer Nachbefragung Mitte März 2014 bestätigte die Familie: „Das Camp hat uns Dreien sehr gut getan. Wir haben neue, interessante Menschen und Heilungsmethoden kennengelernt und sind dankbar, dass es so etwas gibt. Unsere kleine Miriam hat seitdem weiter Fortschritte gemacht. Wir denken, dass dies auch in Zusammenhang mit dem Camp zu sehen ist. Wir spürten, wie gut Miriam die Energie aufnahm und umsetzte.“
Wie Miriams Eltern Anfang April 2014 berichteten, blieb die Kleine bis Jahresbeginn weiterhin anfallsfrei – doch dann krampfte sie wieder, zunächst nur gelegentlich, dann alle zwei Tage, „momentan einmal pro Woche. Allerdings waren dies „keine BNS-Anfälle mehr, sondern von einer neuen Art, die sich nach Ansicht der behandelnden Ärzte besser therapieren lässt“. Obwohl ihre Epilepsie wieder aufflammte, „entwickelt sich Miriam sehr gut. Mittlerweile kann sie am Lauflernwagen und an der Hand laufen, noch recht wacklig, aber stetig besser“. Auch in ihrer kognitiven Entwicklung mache sie Fortschritte. „Mit Sprechen ist allerdings noch nicht viel, abgesehen von ein bisschen ‚BABA MAMA DADA’, aber nicht zielgerichtet.“
NEWSL Miriam mit Papa 200p
Wie erging es Miriam bei uns in der ersten Maiwoche? „Riesenfortschritte gegenüber ihrer ersten Campteilnahme“ stellte der Camparzt bei der Eingangskontrolle fest – und in den darauffolgenden sieben Behandlungstagen machte Miriam weitere. „Die Anfälle sind zwar noch da“, konstatierte der Arzt abschließend, „aber weniger heftig, nicht mehr so belastend, Miriam ist danach weniger müde. Sie wirkt viel klarer und bewusster. Ihre Motorik wird sicherer, ihr Bewegungsdrang nimmt zu. Zunehmend nimmt sie gezielt Kontakt mit Menschen auf und freut sich sichtlich darüber. Mich strahlt sie an, sucht Blickkontakt über mehrere Tische hinweg, lacht dabei laut und strahlt fröhlich.“ Zeitweilig ließen Veränderungen in ihrer Umgebung Miriam eine halbe Minute lang innehalten, aufmerksam beobachtete sie Bewegungen.
Das Mädchen „beginnt aufzuwachen“, beobachtete auch eine Heilerin, die es wiederholt behandelte; „es kommuniziert nonverbal, seine Bewegungen sind viel lebendiger“. Die Eltern bestätigen eine „bessere Kontaktaufnahme“ und erlebten ihr Kind während des Camps als „sehr aufmerksam“. (Foto re.: Miriam beim Kuscheln mit ihrem Papa.)


NEWSL Erwin 150p
Erwin* (2)
wiederkehrende Bronchitis
Näheres hier.









NEWSL Ludwig 150p
Ludwig* (4)
Epilepsie, Entwicklungsverzögerung
Mit sieben Monaten, im Oktober 2010, traten bei dem Jungen die ersten epileptischen Anfälle auf – äußerst heftige, die mindestens acht Minuten andauerten; dabei wurde Ludwig bewusstlos. „Momentan kommen sie nachts aus dem Schlaf“, berichtete die Mutter im Herbst 2013. Medikamente brachten keinerlei Linderung, im Befundbericht einer Klinik ist von „Pharmakoresistenz“ die Rede. Seine Entwicklung verläuft stark verzögert, er spricht nicht. Im Sommer 2012 fasste eine Logopädin Ludwigs Zustand so zusammen: „Keine Lautbildung, keine Artikulationsbewegungen, Produktion verschiedener Töne mit mäßig passendem Bezug. Die Zungenbewegungsparameter sind nicht altersgemäß entwickelt. Die Essens- und Trinksituation ist nicht altersgemäß. Die Wahrnehmung im orofazialen Bereich ist eingeschränkt.“
Seine ausgeprägte Ängstlichkeit zeigte sich bei einer ersten Campteilnahme im November 2013 gleich bei Ankunft: „Längere Zeit verkroch er sich auf meinem Schoß und weinte viel“, so seine Mutter.
In all diesen Hinsichten machte Ludwig während des Camps deutliche Fortschritte. „Die Anfälle treten zwar nicht weniger häufig auf, aber viel weniger intensiv“, beobachtete seine Mutter. Seine Sprachstörung habe sich „deutlich“ gebessert; er produzierte „viele neue Töne“ und Silben, sagte „zum ersten Mal klar und deutlich ‚ja’ und ‚nein’“, sprach Campteilnehmer mit ihren Vornamen an; am fünften Camptag gab er „Mama!“ von sich. „Auch ist er ausgeglichener geworden, weniger weinerlich, offener, aufmerksamer und wacher.“ Von Ängstlichkeit keine Spur mehr: Am vorletzten Camptag musste seine Mutter ihn „dreimal aus der Hauskneipe holen, weil er sich einfach zu Fremden mit an den Tisch gesetzt hat“.
Besserte sich Ludwigs Symptomatik auch deshalb, weil seine Mutter vom Campaufenthalt enorm profitierte? Wegen einer Angststörung mit Panikattacken war sie schon seit längerem in Psychotherapie. Vom dritten Camptag an fühlte sie sich immer häufiger und länger frei von Angstgefühlen und „innerlich sehr ruhig“. Unserem Camp verdanke sie wertvolle „Denkanstöße“, wie sie in ihr Tagebuch notierte: „Ich habe begriffen, dass ich mir viele meiner Probleme selber mache – durch meine Gedanken, meine Befürchtungen, meinem Gefühl, nicht gut genug zu sein. Ich habe verstanden, dass ich auch an mich denken muss und mich nicht vernachlässigen darf. Denn nur wenn es mir gut geht, kann ich das an mein Kind weitergeben.“
NEWSL Ludwig mit Mama 200pWie Ludwigs Mutter Anfang April 2014 berichtete, sind „seine Sturzanfälle verschwunden!“ Ansonsten konnte sie aber keine Fortschritte feststellen: „Die letzte Entwicklungsdiagnostik hat ergeben, das er ungefähr auf dem Stand eines Zweijährigen ist.“ Weiterhin sprach der Kleine kein Wort. Das Gutachten einer Heilpädagogin vom 27. Februar 2014 beschrieb Ludwig als einen „aufmerksamen, an seiner Umwelt interessierten und insgesamt fröhlichen Jungen (…) mit erfreulicher Interaktionsbereitschaft und Lernfähigkeit“; allerdings träten bei ihm „teils heftige Wutanfälle“ auf, nach denen er nur schwer zu beruhigen sei; phasenweise hyperventiliere er; manche Verhaltensweisen muten „autistisch“ an.
Wie wirkte sich Ludwigs zweiter Campaufenthalt auf seine Symptomatik aus? „Seine innere Stabilisierung scheint rascher zu gelingen als die körperliche“, urteilte unser Camparzt abschließend. In dem harmonischen, offenen, freundlichen Umfeld, das er in Schwarzenborn vorfand, war autistisches Verhalten nicht im entferntesten festzustellen; neugierig, aufgeschlossen, zumeist vergnügt lächelnd ging Ludwig auf andere Teilnehmer zu. „Viel schneller als sonst“, staunte die Mutter, „baute er Vertrauen zu fremden Personen auf; die ganze Woche über war er fröhlich und ausgeglichen.“ Ebensowenig hyperventilierte er. Einzelne Personen sprach der Junge deutlich mit ihrem Vornamen an. Seine Motorik verbesserte sich derart, dass er erstmals ohne fremde Hilfe einen Teller Nudeln löffeln konnte, vor aller Augen. Seine Epilepsie blieb während des Camps auf drei starke Anfälle beschränkt; der heftigste, acht Minuten lang, ereignete sich in der vorletzten Nacht.

NEWSL Johannes 150p
Johannes* (6)
Epilepsie (Dravet-Syndrom), ADHS
Seit seinem 14. Lebensmonat leidet der Junge am Dravet-Syndrom: einer seltenen, schweren, meist therapieresistenten Epilepsieform, die nach der französischen Kinderärztin Charlotte Dravet benannt ist. (Der medizinische Name dieser Erkrankung lautet „schwere myoklonische Epilepsie des Kleinkindalters“, severe myoclonic epilepsy of infancy, SMEI).
Meist treten erste Anfälle fiebergebunden auf, häufig nach der ersten Impfung; oft dauern sie besonders lange, meist über 20 Minuten, und sind durch Medikamente schwer einzudämmen, weshalb vielfach eine notärztliche Versorgung nötig wird. Dravet-Kinder zeigen alle epileptischen Anfallsformen: generalisierte (=das ganze Hirn betreffend) und fokale (=einzelne Areale des Hirns betreffend), tonische (=verkrampfende), atonische (=schlaffe) und klonische (=rhythmisch zuckende) Anfälle, oft kombiniert; bei Johannes überwiegt der generalisiert-tonische und -klonische Typ. Begleitend oder später können auch Myoklonien (unrhythmische Muskelzuckungen) und Absencen (= Abwesenheitszustände mit Innehalten der Bewegung) hinzukommen. Wenn Johannes krampft, wirkt er wie „weggetreten“, sein Blick wird starr und wandert abwechselnd nach rechts und links, das Gesicht verzerrt sich, die Augen blinzeln, die Mundwinkel zucken. (Nach der Symptomliste eines Kinderneurologen im November 2013.)
Trotz verschiedener Antiepileptika – Diacomit, Orfiril, Frisium – hat sich Johannes´ Zustand eher noch verschlechtert, wegen erheblicher Nebenwirkungen.
Zudem zeigt der Junge seit dem dritten Lebensjahr ADHS-Symptome – Aufmerksamkeitsdefizite verbunden mit Hyperaktivität -, nach Angaben seiner Mutter ist er„hippelig und aufgedreht“.
Zumindest die ADHS-Symptomatik besserte sich bis Campende deutlich: Unser Therapeutenteam, ebenso wie die Eltern, erlebten den Jungen erheblich ausgeglichener, geduldiger, konzentrierter; unruhig wirkte er nur gegen Abend, wenn er müde wurde. Seine epileptischen Anfälle traten zwar nicht seltener auf, „Johannes erholte sich aber besser von ihnen“, wie die Eltern feststellten. Zu einer dramatischen Zuspitzung, welche sie zu einer vorzeitigen Abreise veranlasste, kam es allerdings in der letzten Campnacht: Innerhalb von 15 Stunden krampfte der Junge 19mal, häufiger als je zuvor. „Trotzdem“, erklärte der Vater, „war diesmal etwas völlig neu. Gewöhnlich bleibt Johannes nach einem Anfall stumm und apathisch. Doch in dieser Nacht begann er nach jedem Anfall zu sprechen – manchmal unverständlich, manchmal in ganz klaren Sätzen.“ Ein hoffnungsvolles Zeichen? Zu Hause krampfte Johannes weiter – allein 48mal am zweiten Tag nach Campende. Der darauffolgende Tag verlief völlig anfallsfrei, am nächsten traten zwölf weitere Anfälle auf; zudem klagte Johannes über heftige Kopf- und Bauchschmerzen. Bei mehreren anderen Epilepsiefällen in Auswege-Camps war einer beunruhigenden „Erstverschlimmerung“ eine Heilung gefolgt – darauf hoffen wir auch in Johanness Fall.


NEWSL  Peter 150p
Peter* (7)
Septo-optische Dysplasie (S.O.D.) / DeMorsier-Syndrom
Schwangerschaft und Geburt verliefen ohne ersichtliche Komplikationen. Erste Anzeichen dafür, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmte, waren ein auffallendes Augenzittern (Nystagmus) und mangelndes Fixieren: Folge eines beeinträchtigten Sehvermögens aufgrund einer Fehlentwicklung des Sehnervs, einer sog. „Opticushypoplasie“. (Bei Peter ist sie so ausgeprägt, dass er auf beiden Augen blind ist.) Diese Hypoplasie geht beim DeMorsier-Syndrom einher mit Anomalien in Hirnfunktionen und –strukturen, welche sich in der Grob- und Feinmotorik, dem Lernverhalten, der Intelligenz, dem Sprechen sowie sozialen Interaktionen bemerkbar machen.
Außerdem liegt bei Peter eine „Hypospadie“ vor, eine Fehlbildung der Harnröhre. Er trägt noch Windeln. Der Untersuchungsbericht eines Münchner Blindeninstituts vom Juli 2013 beschreibt Peters damaligen Entwicklungsstand: „Er kann frei gehen, sich in bekannter Umgebung (zu Hause, im Kindergarten) frei bewegen“, wobei er sich „durch taktiles Erfassen seiner Umgebung mit Händen und Füßen orientiert.“ Er zeige „besondere Vorliebe für Bewegungsangebote wie z.B. Hüpfen auf einem Trampolin, Sofa oder auch am Boden, Schaukeln und Drehen“. Seine Lieblingsbeschäftigung ist Trommeln. „Besondere Freude zeigt Peter an Musik und an unterschiedlichen Klängen und Tönen.“ Über akustische Wahrnehmungen könne er sich „gut orientieren“.
Sprachlich kommunizieren kann Peter dem Bericht zufolge nur äußerst eingeschränkt: „Er kann noch nicht mit ‚ja’ oder ‚nein’ antworten. Durch Ziehen an der Hand zeigt er, wohin er möchte und was er tun will. Mehrwortsätze kann Peter nicht selbstständig formulieren, jedoch spricht er häufig kurze Sätze nach. Auf Fragen, die Peter wichtig sind und ihn interessieren, antwortet er meist durch mehrmaliges Wiederholen eines Wortes, das seinen Wunsch ausdrückt. ‚Möchtest du essen?’ Peter antwortet: ‚Essen, essen, essen.’“
Mitte Februar 2014 stellte eine Logopädin nach 20 Therapiesitzungen fest, dass sich Peter in kleinen Schritten, aber stetig verbessere. Er könne „jetzt manchmal aus eigener Kraft an der Stange hängen, zunehmend den Kopf selber drehen, ‚passende’ Antworten auf einfache Fragen geben“; auch habe er „mehr Schubkraft in den Beinen“.
Wie die Mutter Anfang April 2014 bestätigte, hat sich die vom Blindeninstitut geschilderte Symptomatik inzwischen nicht wesentlich geändert. Sie betont Peters Vorliebe für Musik und Reime sowie seinen ausgeprägten Bewegungsdrang; dabei „läuft und hüpft er komplett frei.“
An seinen schweren körperlichen Handicaps änderte die Campwoche nichts; Peter ist so blind wie zuvor, weiterhin spricht er nur einzelne Wörter, ab und zu plappert er Mehrwortsätze nach. Hingegen verblüffte er nicht nur das Therapeutenteam, sondern auch die eigene Mama mit vielerlei neuen Verhaltensweisen. Beim Spielen und Erkunden setzte er seine Hände bisweilen so geschickt ein, dass der Camparzt Zweifel an den früher diagnostizierten „Störungen der Grob- und Feinmotorik“ äußerte; was danach aussieht, rührt womöglich bloß von dem vollständigen Verlust des Sehvermögens her. Der Junge war vergnügt, lachte viel, suchte neugierig und vertrauensvoll Kontakt zu anderen Campbesuchern. „Offener, ruhiger, sicherer, NEWSL Peter 250pgelassener“ sei ihr Sohn geworden, notierte die Mutter abschließend in einem Fragebogen; „er macht einen ‚strahlenderen’ Eindruck“, wirke „glücklich, ausgeglichen, gelöst“; sie staunte über seine gewachsene „Bereitschaft, Aufgaben auszuführen“. Fasziniert genoss er Therapiesitzungen mit Indianergesängen, Trommeln, Flöten und Klangschalen, vor allem aber das Shiatsu im Hallenbad, bei dem er sich eine halbe Stunde lang, in den Armen einer Therapeutin liegend, behutsam durch körperwarmes Wasser bewegen ließ. Für einen der bewegendsten Momente dieses Auswege-Camps sorgte der Junge während eines halbstündigen „Morgenkreises“, der täglichen Zusammenkunft aller Teilnehmer nach dem Frühstück: Unvermittelt löste er sich von der Hand seiner Mutter, tastete sich blind der Reihe der Sitzenden entlang, blieb schließlich vor dem Moderator der Veranstaltung stehen – und während dieser Mühe hatte, gefasst weiterzusprechen, begann Peter sanft dessen Gesicht abzutasten; dann kletterte der Junge auf den Schoß des fremden Mannes, kuschelte sich in Embryonalstellung an ihn, ließ sich minutenlang streicheln. (Foto o. re.)


NEWSL Martin 150p
Martin* (14)
Autismus, Neurodermitis
Näheres zur Autismus-Diagnose hier.
Seit dem Säuglingsalter leidet Martin an Neurodermitis, bei Campbeginn mit Ekzemen „an den Händen bis zum Ellbogen“, wie die Mutter uns vorab berichtete. Im Campverlauf „haben sie nachgelassen“, konstatierte sie abschließend. Der Camparzt bestätigt: „Die Neurodermitis, die schon im Vorfeld etwas nachgelassen hatte, besserte sich noch mehr.“




Nadja* (17)
chronische Kopf-/Bauchschmerzen, Schwindelanfälle, Schlaf- und Konzentrationsstörungen
Seit über vier Jahren klagt das Mädchen über eine Vielzahl von starken, sich stetig verschlimmernden Beschwerden, für die mehrere konsultierte Ärzte bisher weder organische noch psychische Ursachen finden konnten: „Permanent, 24 Stunden am Tag“ leidet Nadja an Kopfschmerzen; besonders „morgens sind sie sehr, sehr stark, migräneartig, zum Heulen; bin dann licht- und geräuschempfindlich, komme nicht aus dem Bett. Mir wird schwarz vor Augen, ich sacke zusammen.“ Es daure „zwei bis drei Stunden, bis ich mich rausquäle und etwas durch die Gegend schleiche.“ Nicht einmal länger telefonieren kann sie, dann „brummt ihr Kopf“ (Mutter).
Ebenso rätselhaft sind häufige Schwindelanfälle, bei denen sie mitunter sogar ohnmächtig wird. „Oft falle ich hin und liege eine halbe Stunde da, ehe ich wieder wach werde.“ Ihr Kreislauf ist so labil, dass sie „nicht mal mehr kurz mit dem Hund rausgehen kann“. Von einem Moment zum anderen fühlt sie sich „kraftlos“, so als könnte sie „gleich zusammensacken“.
Auch leidet Nadja an „permanenten Bauchschmerzen/Krämpfen“.
Nachts kann sie nicht einschlafen, „trotz Müdigkeit. Erst ab 1 oder 2 Uhr“, aber mit „vielen Wachphasen“.
Ebenso rätselhaft sind ausgeprägte Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. „Ich lese ein paar Zeilen – und weiß nicht mehr, was ich gelesen habe. Ich lerne für die Schule – und dann ist es einfach weg. Seit dem dritten Schuljahr spielte ich Schach – geht nicht mehr“, ebensowenig wie Reiten.
Die Schule kann sie „schon lange nicht mehr“ besuchen.
Vielerlei Medikamente und Therapien – von Homöopathie über Krankengymnastik, Massagen, Osteopathie, Dorn-Breus, Atlastherapie, Bach-Blütentherapie – brachten allenfalls kurzfristige Besserungen.
Die jahrelangen Belastungen, ohne Aussicht auf Hilfe, haben Nadja „verschlossen und mutlos“ gemacht, stellt ihre Mutter fest.
Neuerdings wurden bei Nadja „craniomandibuläre Dysfunktionen“ (CMD) diagnostiziert: eine Reihe klinischer Symptome der Kaumuskulatur und/oder des Kiefergelenks sowie der dazugehörenden Strukturen im Mund- und Kopfbereich, die zu Schmerzen und Funktionseinschränkungen des Kauorgans führen können. Ihre Beschwerden sind damit freilich nicht annähernd erklärt.
Unklar ist, ob Nadjas Beschwerden zumindest teilweise auf zwei Stürze zurückzuführen sind: Mit sechs Jahren wurde sie vom Fahrrad gestoßen und schlug mit dem Kopf auf; dabei trug sie allerdings einen Helm. Mit 13 Jahren rutschte sie auf Glatteis aus und fiel rücklings, danach „tat der Nacken weh“.
Auf Nachfrage berichtete die Mutter im April 2014, rund zwei Jahre vor Einsetzen ihrer Beschwerden habe Nadja „Probleme mit Mitschülern“ gehabt und dabei mobbingartige Situationen erlebt, die einen „Schock“ auslösten und schließlich zu einem Schulwechsel führten. Allerdings sei Nadja „dadurch auch stark geworden, sie setzt jetzt Grenzen“. In ihrer neuen Schule habe sie sich „gleich in den ersten Tagen erholt, war von Lehrern und Mitschülern begeistert, lernte freudig und war ‚mittendrin’. Sie lachte wieder und hatte viel Spaß.“
Während der Campwoche bestanden Nadjas Beschwerden weitgehend unvermindert fort: Zeitweilig ließ der Kopfschmerz nach, kehrte aber heftig wieder; weiterhin fand das Mädchen nachts kaum in den Schlaf; auch ihr Schwindel hielt an. Trotzdem ist ihre Mutter überzeugt davon, dass bei Nadja „etwas in Gang gekommen ist, sie hat hier sehr viel aufgenommen, es arbeitet in ihr“. Mehrere Therapeuten arbeiteten mit Nadja an möglichen psychischen Hintergründen ihrer rätselhaften Symptome; Nadja war offen dafür. Die „Energien“, die ihr Heiler vermittelten, führten bei ihr zu einem sonderbaren neuen Körpergefühl: „Hier im Camp habe ich immer einen warmen Kopf und Körper, bis zu den Fußsohlen. Das Gesicht fühlt sich besser durchblutet an. Das kenne ich so nicht.“ Ob die therapeutischen Impulse Früchte tragen, werden die nächsten Monate zeigen.


Janina* (17)
Epilepsie
Seit ihrem sechsten Lebensjahr leidet die Schülerin an Epilepsie – bis Spätherbst 2013 mit „durchschnittlich hundert (!) Anfällen pro Tag“, wie der jüngste Befundbericht eines Epilepsiezentrums vom September dieses Jahres festhält. Wegen Sturzgefahr „muss Janina in der ersten Stunde nach dem Aufstehen ununterbrochen begleitet werden. In der Woche vor der Periode treten die Anfälle in geringerer Häufigkeit auf, vielleicht 50mal pro Tag. Mit Einsetzen der Periode kommt es zu einer deutlichen Verschlechterung, mit ca. 150 Anfällen in den ersten zwei Tagen.“ Die starken Medikamente führen zu Wortfindungsstörungen und Schwierigkeiten bei der Verhaltenssteuerung; Janina ist oft müde und kann sich schwer konzentrieren.
Ihr anhaltendes Leiden macht Janina immer wieder depressiv. Sie fühlt sich sozial isoliert: Aus mehreren Vereinen, in denen sie Mitglied war, hat sie sich abgemeldet, da sie sich ausgegrenzt fühlte.
Während des 13. Auswege-Camps Anfang November 2013 erlebte Janina eine gravierende Besserung. Bei Campende zog ihre Mutter Bilanz: „Die Anfälle sind kürzer, die Sturzgefahr geringer, die Anfallshäufigkeit stark reduziert“ – von durchschnittlich 100 pro Tag seien sie auf 30 zurückgegangen, wie sie uns Ende November schrieb. Darüber hinaus wirke Janina „wesentlich ruhiger“ und sei „mehr bei sich. Ihre Gesichtszüge sind entspannter.“
Je öfter unser Therapeutenteam mit Janina arbeitete, desto skeptischer wurden wir, ob die Epilepsie-Diagnose tatsächlich zutrifft: Ihre „Anfälle“ bestanden in der Regel darin, dass sie für einen kurzen Moment die Augen verdrehte, die Arme hochwarf und den Kopf nach hinten neigte. Unser Camparzt erlebte das Mädchen als „labil, sensibilisiert und möglicherweise durch ein Trauma stark destabilisiert. Vermutlich braucht sie die vermeintlichen ‚Anfälle’, um ‚auszuweichen’ und ‚abzuhauen’, wenigstens für eine Weile.“
Über ihr neuerdings „verändertes Auftreten“ staunte kürzlich ihr behandelnder Arzt, wie ihre Mutter berichtete: Noch nie habe er Janina derart selbstbewusst, klar und „aufrecht“ erlebt; noch nie habe sie während des Gesprächs mit ihm so lange Blickkontakt gehalten. Eine Nachwirkung ihres Campaufenthalts?
Eine weitere „deutliche Besserung“ konstatierte der Camparzt bei Janina gegen Ende der Heilwoche. Erstmals kam sie morgens nach dem Aufstehen selbständig zurecht, Hilfe benötigte sie dabei nicht. Die Anfälle wurden seltener; allerdings waren schwerere darunter, bei denen das Mädchen manchmal „in sich zusammensackte“. Psychische Anteile der vermeintlichen Epilepsie kamen zum Vorschein: Janina krampft auffallend häufig in engen Räumen, unter dem Eindruck eines Bedrängtwerdens und bei Anspannung; dabei „bauen sich krampfartige Zustände auf, die in scheinbar ‚epileptischen’ Episoden gipfeln“, wie eine Heilerin während einer Teamsitzung meinte. Mehrere Therapeuten unseres Campteams äußerten den Verdacht, Ausgangspunkt der „Anfälle“ könne ein frühkindliches Trauma gewesen sein; unbewusst dienen sie Janina als „Fluchtmittel“, um bestimmten Situationen – erlebten, erinnerten, vorgestellten – auszuweichen und ‚abzudriften’.“ Träfe diese Einschätzung zu, wäre der Schlüssel gefunden, um Janina von ihrer Erkrankung vollständig zu befreien.
Auch unserem Camparzt erscheint die vermeintliche „Epilepsie“ immer fragwürdiger, wofür er weitere Anhaltspunkte fand: „Bei einem Gespräch mit Janina unmittelbar nach einem ‚Anfall’ argumentierte sie völlig sachlich und klug, absolut unpassend für so einen großen ‚Anfall’. Auch ihre Schilderung einer ‚Aura’ vor manchen Anfällen schon ein bis zwei Tage im voraus ist äußerst unglaubwürdig. Ich habe den Eindruck, dass sie bei Gesprächen mit uns Therapeuten ‚ihr Spiel spielt’ und in sich hineingrinst. Als ich ihr das sagte, wirkte sie verunsichert, wie ertappt. Nur weiß ich noch nicht, warum sie dieses Spiel spielt, wenn es eines ist. Was versucht sie zu verdrängen oder vertuschen? Wovon lenkt sie ab?“
Beeindruckend war, wieviel lockerer, offener und selbstbewusster Janina sich gab – während der Heilsitzungen, in Gesprächen mit anderen Teilnehmern, als Mitorganisatorin des traditionellen Abschlussfests: Sie „instruierte andere Mitwirkende mit einem Selbstbewusstsein und einer Eloquenz, wie ich das bei ihr noch nie erlebt habe“, erklärte ihre Mutter. Die Woche habe „etwas in mir gelöst“, wie Janina ihrem Tagebuch anvertraute.

Button ZURÜCK zur Übersicht 75p