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Dr. med. Dagmar Berg:
„Alternativ“medizin –
eine kritische Betrachtung

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Wenn man im Lexikon unter „alternativ“ nachschlägt, so bedeutet dies „unter zwei Möglichkeiten zu wählen“. Alternativmedizin würde in diesem Sinne heißen: eine andere Art der Medizin. Wir unterscheiden also die klassische Schulmedizin und eine andere Art der Behandlung. Dabei müsste sich der Patient entscheiden, welche der Behandlungsmethoden er wählen möchte.

Schaut man unter Google bei Alternativmedizin nach, so findet man zahllose Artikel, die hauptsächlich darüber berichten, dass kein Erfolg einer anderen Behandlungsmethode als die schulmedizinische zu verzeichnen sei. Oft wird davor gewarnt und über angebliche Schäden der alternativen Behandlungsmethode berichtet. Es fällt auf, dass jedoch im Gegensatz zu schulmedizinischen Behandlungsmethoden z. B. bei Krebs zahlreiche Studien existieren, die einen Nachweis der Wirksamkeit belegen. Seriöse Studien zu alternativen Behandlungsmethoden gibt es praktisch nicht. Es stellt sich die Frage: Warum?

Als Chirurgin, die über 30 Jahre im Sinne der Schulmedizin behandelt, gleichzeitig aber seit über 20 Jahren parallel dazu alle alternativen Möglichkeiten beobachtet hat, möchte ich hier vielleicht als Entscheidungshilfe für viele Patienten eine kritische Betrachtung anführen.

Die Schulmedizin bekämpft eine Erkrankung, indem sie alles Schädliche, Krankmachende auszurotten versucht. Dies können mit Hilfe von Antibiotika Bakterien sein, oder bei einer Krebserkrankung Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapie. Dies geht oft auf Kosten des Allgemeinbefindens der Patienten und führt zum Auftreten von anderen Erkrankungen, weil der Patient geschwächt ist. Im Sinne der Schulmedizin ist ein Patient geheilt, wenn er seine Erkrankung und Therapie fünf Jahre überlebt hat. Wie und in welchem Zustand er diese Zeit verbracht hat, wird nicht „evaluiert“, das heißt untersucht.

Alternative Behandlungsmethoden bekämpfen nicht die Ursache der Erkrankung, also die Keime oder Krebszellen, sondern versuchen den Organismus zu stärken, damit er selbst sich wieder heilen kann. Außerdem versuchen sie die Begleitumstände, die zu der Erkrankung geführt haben, auszuschalten. Deshalb werden oft ausleitende, entgiftende Maßnahmen durchgeführt und gleichzeitig stärkende Methoden eingesetzt. Dem Patienten geht es bei einer alternativen Behandlung zunächst immer besser als bei der schulmedizinischen. Ob es dadurch zu einer endgültigen Heilung kommen kann, wurde nie einwandfrei bewiesen oder ausgeschlossen. Es wurde einfach nicht in einem größeren Maßstab untersucht.

Einige alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie und Akupunktur werden zwischenzeitlich auch von der Schulmedizin anerkannt und eingesetzt, obwohl sie viele Jahre lang verpönt waren. Andere Methoden, wie spirituelle Heilungen, Eigenblutbehandlungen, Bauscheitieren und viele, viele andere sind Medizinern völlig unbekannt, werden total abgelehnt und Patienten sogar davor gewarnt.

Im Gegenzug warnen zwischenzeitlich auch viele alternative Heiler ihre Patienten, die oft erst im Endstadium, nachdem sämtliche schulmedizinischen Behandlungen keine Wirkung erbracht haben, zu ihnen kommen, vor der schulmedizinischen Behandlung. Sie überreden dann die Betroffenen, die eingeleitete Therapie abzubrechen, obwohl sie nicht über den Erfolg oder Misserfolg unterrichtet sind. Ein Austausch oder Zusammenarbeit der beiden Behandelnden findet fast nie statt.  Da die Patienten jedoch von der Schulmedizin enttäuscht sind und ohne Hoffnung gelassen wurden, verlassen sie sich dann auf den anderen Therapeuten.

Meistens geht es ihnen unter der stärkenden Therapie und der liebevolleren Behandlung etwas besser. Oft kann die Grunderkrankung jedoch damit alleine nicht geheilt werden. Sie schreitet voran und erst im Endstadium geht der Patient wieder in eine schulmedizinische Behandlung. Dann ist es jedoch oft zu spät.

Man muss sich wirklich fragen, warum nicht beide Behandlungsmethoden gleichzeitig nebeneinander durchgeführt werden können, zum Wohle des Patienten. Die eingreifende aggressive Therapie der Schulmedizin würde viel besser vertragen, wenn gleichzeitig parallel dazu alternative Heilverfahren eingesetzt würden. Ärzte können diese nicht machen, da sie dazu nicht ausgebildet wurden. Therapeuten können aber auch nicht über die schulmedizinische Behandlungen entscheiden, da sie diese ebenfalls nicht kennen.

Es hat sich im Sprachgebrauch anstelle der alternativen Behandlungen der Ausdruck einer „komplementären“ Therapie herausgebildet. Dies ist optimal. Komplementär, das bedeutet, begleitend zur schulmedizinischen Behandlung wird eine andere Therapie durchgeführt. So wird die Ursache der Erkrankung bekämpft, mit allen Nebenwirkungen, aber gleichzeitig auch der Körper und die Seele des Menschen gestützt, damit er alle diese Prozeduren besser verträgt.
 
Doch erst wenn die klassische Schulmedizin ihre Berührungsängste mit anderen Heilern ablegt, kann es zu dieser komplementären Therapieform kommen.

Dr. med. Dagmar Berg, Ärztin und Meditationslehrerin, war eine der ersten Chirurginnen Nachkriegsdeutschlands und langjährige Leiterin einer eigenen Klinik. Seit langem bemüht sie sich um einen Brückenschlag zwischen konventionellen und spirituellen Therapieansätzen. Sie gehört dem medizinischen Fachteam der Stiftung AUSWEGE an.

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