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Logo_NEWS_Welt_des_Heilens_kl02Komplementärmedizin wird europaweit vernetzt
Das Zentrum für naturheilkundliche Forschung am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) hat den Zuschlag für ein groß angelegtes Vorhaben im Bereich der Naturheilverfahren bekommen. Die EU finanziert das dreijährige Projekt mit knapp 1,5 Millionen Euro, Start wird im Januar 2010 sein. Das europäische Projekt „CAMbrella“ wird von München aus koordiniert. Das Kürzel CAMbrella steht dabei für ein Dachprojekt der Komplementär- und Alternativmedizin (engl: umbrella of Complementary and Alternative Medicine).

Wenn die Eltern psychisch krank sind
Ein Modellprojekt in Aachen soll dazu beitragen, dass Kinder Hilfe finden, deren Eltern psychisch krank sind.
Familien, in denen ein Elternteil psychisch krank ist, haben einen hohen Beratungsbedarf. Das machten die zahlreichen Anfragen beim Kinderschutzbund Aachen deutlich. Der Verband will die Familien nicht im Regen stehen lassen und richtete in Zusammenarbeit mit der Katholischen Hochschule NRW im November 2008 das Hilfsangebot „AkisiA“ ein, eine Abkürzung für "Auch Kinder sind Angehörige". Das Modellprojekt soll Kindern mit einem psychisch kranken Elternteil helfen. Sie sollen lernen, was es mit der Krankheit auf sich hat und wie sie damit umgehen können. Anders als bisherige Angebote für betroffene Angehörige bezieht AkisiA dabei auch die Eltern in die Beratung ein. "Oft sind es die Eltern selbst, die Kontakt zu uns aufnehmen", sagt AkisiA-Projektleiterin Vera Magolei. Um diese so gezielt wie möglich zu erreichen, arbeiten die Projektbeteiligten mit örtlichen Facheinrichtungen wie dem Alexianer-Krankenhaus Aachen zusammen. "Ich biete dort regelmäßig Sprechstunden für betroffene Eltern an." Häufig treten sie mit Erziehungsfragen an AkisiA heran.
Wie lange und intensiv die Familien die Angebote nutzen, bleibt ihnen überlassen. "Manchmal ist der Beratungsbedarf nach ein oder zwei Gesprächen gedeckt. Es gibt aber auch Fälle, in denen Kinder und Eltern im Verlauf von 15 und mehr Terminen in unserer Einrichtung betreut werden", sagt die Sozialpädagogin.
Neben Sprechstunden und Familiengesprächen macht AkisiA betroffenen Kindern umfangreiche Gruppenangebote. Dort lernen sie spielerisch den Umgang mit der Krankheit ihrer Eltern und haben die Möglichkeit, sich auszutauschen. "Es hilft den Kindern, Altersgenossen kennen zu lernen, die ähnliche Probleme wie sie selbst haben."
Derzeit nutzen etwa 80 Familien die Angebote des Modellprojekts, das von der "Aktion Mensch" zunächst für drei Jahre gefördert wird.

Vorbild Schweiz: Dachverband Komplementärmedizin gegründet
Nachdem die Schweiz sich vor einem halben Jahr in ihre Verfassung schrieb, die Komplementärmedizin ins öffentliche Gesundheitswesen einzubeziehen, ist dort Ende Oktober der „Dachverband Komplementärmedizin“ gegründet worden, um diesen Auftrag umzusetzen. 67 Prozent der Bevölkerung und alle Stände hatten am 17. Mai dem Verfassungsartikel für Komplementärmedizin zugestimmt.
Ziel des neuen Verbands sei es, den Druck auf Parlament, Regierung und Behörden aufrecht zu erhalten, wie der neue Dachverband mitteilte. Auch will der Verband die Umsetzung der Kernforderungen begleiten: unter anderem die Förderung der integrativen Medizin und die Aufnahme der ärztlichen Komplementärmedizin in die Grundversicherung. Die Antworten des Bundesrates auf parlamentarische Vorstöße zeigten, wie groß der Handlungsbedarf nach wie vor sei, heißt es in der Mitteilung. Die Regierung schlage einzig im Heilmittelgesetz gewisse Anpassungen vor.
Dem Dachverband haben sich unter anderen einschlägige Ärzte- und Therapeutenorganisationen, Kliniken, der Drogistenverband und der Verband für komplementärmedizinische Heilmittel angeschlossen.


Deutsche schätzen die Homöopathie
Homöopathische Arzneimittel sind in Deutschland bekannt, sie werden genutzt und von der Verwendern geschätzt, ihr Konsum steigt. Dies zeigt eine repräsentative Bevölkerungsumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, die von Herstellern entsprechender Arzneimittel in Auftrag gegeben worden war.
Mehr als die Hälfte aller Befragten in Deutschland (53 Prozent) hat schon einmal bewusst homöopathische Mittel eingenommen. 1970 waren es weniger als halb so viele. Rund ein Viertel der Bevölkerung gehört zu den „überzeugten Verwendern“. Sie sind ohne Einschränkung von deren Wirksamkeit überzeugt. Weitere 26 Prozent nutzen die Mittel zwar, enthalten sich aber eines eindeutigen Wirksamkeitsurteils. Lediglich zwei Prozent der Nutzer halten die Mittel generell für unwirksam.
In Deutschland ist die Homöopathie seit 1978 als eine von drei „besonderen Therapieformen“ anerkannt. Ihre Mittel können ohne Wirksamkeitsnachweis zugelassen werden. Die Arzneimittel kosten (je nach Potenz) etwa fünf bis 20 Euro. Ein Fläschchen mit 500 Kügelchen kann lange reichen. Am Markt der nicht rezeptpflichtigen Medikamente hielten die Mittel 2008 mit einem Umsatz von etwa 400 Millionen einen Anteil von sieben Prozent. Insgesamt gibt es knapp 2000 homöopathische Arzneimittel.


Jedes achte Kind in Deutschland ist chronisch krank
Die Lebensqualität chronisch kranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland muss verbessert werden, forderten Experten beim Kongress der Kinder- und Jugendärzte in Bad Orb. Mindestens jedes achte Kind in Deutschland sei chronisch krank, bekräftigte Professor Stefan Wirth, ärztlicher Leiter des Zentrums für Jugendmedizin am Helios Klinikum Wuppertal, beim Herbstkongress der Kinder- und Jugendärzte in Bad Orb.
So weisen es auch die bundesweit repräsentativen Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS-Studie) aus. Eine Woche lang haben sich die Pädiater in Bad Orb mit dem Schwerpunktthema "Das chronisch kranke Kind" befasst. Kongressleiter Stefan Wirth wies auf das - häufig unterschätzte - breite Spektrum chronischer Krankheiten bei älteren Kindern und Jugendlichen hin. Während nur fünf Prozent aller Zweijährigen einen speziellen Versorgungsbedarf benötigen, steigt dieser ab dem Alter von sieben Jahren bis ins Jugendalter hinein deutlich.
Dies liegt daran, dass fast alle chronischen Krankheiten in der Adoleszenz weit häufiger vorkommen als in den ersten Lebensjahren eines Kindes. Hinzu treten bei Jugendlichen neue Störungsformen wie Essstörungen oder ein riskantes Alkoholverhalten, die im Kindesalter noch gar nicht auftreten. Der Druck auf die jungen Menschen nimmt ab der Schulzeit zu, beklagt Wirth. Nach den Daten des LBS Kinderbarometers 2009 sind von den neun- bis 14-jährigen 33 Prozent häufig von Stresskopfschmerzen und 22 Prozent von stressbedingten Bauchschmerzen betroffen. Auch die Zahl der schwerbehinderten Kinder und Jugendlichen wird häufig unterschätzt. Insgesamt geht man heute von 2,8 Prozent Jugendlicher aus, die geistig oder körperlich behindert sind: Das, so Wirth, sind so viele junge Menschen, wie die Stadt Bonn Einwohner hat. Auch wenn junge Chroniker im allgemeinen medizinisch gut betreut würden, treffe dies nicht für alle zu. 20 Prozent der Kinder mit allergischen Erkrankungen im Alter zwischen vier und sechs Jahren und 14 Prozent der 13- bis 16-Jährigen seien schlecht eingestellt, monierte Professor Dietrich Reinhardt vom Dr. von Haunersche Kinderspital aus München. Diabeteskranke Kinder würden viel zu häufig und auch zu lange stationär aufgenommen, was zum Beispiel in England nicht mehr der Fall sei, sagte Reinhard Holl von der Universität Ulm.
Der größte Nachholbedarf bestehe darin, die Lebensqualität chronisch kranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland zu verbessern, meint Heilke Hölling vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Auch dort gebe es eklatante Unterschiede. Während zum Beispiel Kinder mit Asthma kaum eine höhere Rate an psychischen Auffälligkeiten zeigen und nur bei Jungen gewisse Einschränkungen bei der Lebensqualität auftreten, sind junge Menschen mit ADHS oder Adipositas schwerer betroffen. Psychisch sind diese beiden Gruppen signifikant höher belastet als nicht betroffene Gleichaltrige. Ganz besonders trifft dies auf Jungen mit manifesten ADHS und auf 14 bis 17-Jährige adipöse Adoleszente (vor allem Mädchen) zu. Die Lebensqualität beider Gruppen ist ausgesprochen schlecht, zumal die sozialen Ressourcen nicht greifen oder gar wegbrechen.
Viele chronisch kranke Kinder können aber bislang nicht aufgefangen werden, beklagt Heike Hölling. Dies liege daran, dass Vernetzungsmodelle, in denen zum Beispiel Pädiater mit Erzieherinnen oder (Sozial)-Pädagogen "zusammenrücken und sich eng abstimmen", kaum vorhanden sind.
Massive Defizite bestehen auch bei der therapeutischen Versorgung. Gerade chronisch kranke Jugendliche, die psychisch auffällig sind und einer dringender Therapie bedürfen, könnten heute in der Regel kaum auf einen zeitnahen Termin bei einem Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten oder einem Kinder- und Jugendpsychiater hoffen.

Krankenhaus-Horror
Mehr als die Hälfte aller Bundesbürger (54 Prozent) fürchtet sich vor einem Krankenhausaufenthalt. Gut jeder Zehnte hat sogar große Angst davor. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage unter 1006 Personen im Auftrag der HanseMerkur Versicherungsgruppe.
Vor allem gesetzlich Versicherte seien überdurchschnittlich besorgt, teilte die Kasse am Dienstag mit. Ganz oben auf der Liste stünden die Angst vor Behandlungsfehlern (65 Prozent) und erfolglosen Therapien (61 Prozent). 55 Prozent der Befragten beunruhigt die Vorstellung, sich mit gefährlichen Keimen anzustecken oder Schmerzen zu erleiden (53 Prozent). 86 Prozent wünschen sich mehr Zuwendung durch die Ärzte.

Gesundheitsmonitor: Psychische Leiden als Volkskrankheit
Psychische Beschwerden haben sich nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung zu einer Volkskrankheit entwickelt. Rund ein Drittel aller Erwerbstätigen klage über psychische Belastungen, heißt es in dem im November in Gütersloh veröffentlichten Gesundheitsmonitor.
Mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung suchen demnach innerhalb eines Jahres wegen psychischer Probleme einen Arzt auf. Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung befragt zweimal jährlich 1500 Menschen.
Der Studie zufolge verschärfen die unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse die Situation: 52 Prozent der Menschen in befristeten Arbeitsverhältnissen klagen über psychische Belastungen. Aber auch Zukunftssorgen gehen mit einem erhöhten Risiko psychischer Beschwerden einher. Selbst ohne Sorgen um die berufliche Zukunft haben schwierige Arbeitsbedingungen einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden: Wer mehr als fünf Tage die Woche arbeitet (42 Prozent) oder täglich einen Arbeitsweg von mindestens 30 Minuten zu bewältigen hat (38 Prozent), wird häufiger psychisch krank. Ebenso kann das Betriebsklima die Psyche beeinträchtigen.

Biolumineszenz: Grundlage für Aura-Wahrnehmungen?
Für Aura-Wahrnehmungen meinen japanische Wissenschaftler die biologische Grundlage entdeckt zu haben: Auch der menschliche Körper gibt Lichtphotonen ab, die jedoch für das gewöhnliche Auge nicht wahrnehmbar sind.
Das Phänomen der sogenannten Biolumineszenz - der Fähigkeit von Lebewesen, selbst oder mit Hilfe anderer Spezies (Symbionten) Licht zu erzeugen -, ist in der Natur weit verbreitet, Biologen kennen sie u.a. von Glühwürmchen und manchen Tiefseeorganismen. Wie die Forscher um Hitoshi Okamura, Masaki Kobayashi und Daisuke Kikuchi vom Tohoku Institute of Technology (TIT) im Fachmagazin "PLoS One", der Public Library of Science (PLoS) nun ausführlich berichten, gelang ihnen der Nachweis der Biolumineszenz auch beim menschlichen Körper: Er gibt ein leichtes Schimmern von sich. (Damit stützen sie die Forschungen des deutschen Biophysikers Prof. Fritz-Albert Popp.) Die Stärke dieses Leuchtens ist jedoch tausendmal schwächer als das vom menschlichen Auge wahrnehmbare Licht. Hervorgerufen durch feinste Stoffwechselveränderungen, werden in bestimmten Rhythmen direkte ultraschwache Photonen, elektromagnetische Lichtteilchen, abgeben.
Auch wenn die Intensität des angegebenen Lichts immer weit unter der für das menschliche Auge liegenden Sichtbarkeit liegt, verändert sie sich dennoch messbar innerhalb eines 24-stündigen Zyklus. Die hellste Phase liegt dabei um die Mittagszeit, während gen Abend zu am wenigsten Photonen abgegeben werden. Bemerkenswerterweise steht die Menge des emittierten Lichts nicht in Verbindung zur abgegebenen Körperwärme.
Quellen:
www.grenzwissenschaft-aktuell.de / www.plosone.org


Kino-Tipp: "Helen" enttabuisiert die Volkskrankheit Depression
Es ist ein tragischer Zufall, dass dieser Film genau zur richtigen Zeit in die Kinos zu kommen scheint: Denn selten wurde in Deutschland so viel über Depression gesprochen. Kurz nach dem Tod des Nationaltorwarts Robert Enke zeigt der Kinofilm "Helen" auf einfühlsame und differenzierte Weise, wie komplex diese Krankheit ist, und wie hilflos die Betroffenen selbst und deren Umfeld reagieren.
Elf Jahre arbeitete die Autorin und Regisseurin Sandra Nettelbeck, die 2001 mit ihrer Liebeskomödie "Bella Martha" berühmt wurde, an dem Film. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Helen Leonard (Ashley Judd), Dozentin an einer Musikhochschule. Die 38jährige führt ein glückliches Leben, liebt ihren Job, ihren Mann David (Goran Visnjic) und ihre 13jährige Tochter Julie (Alexia Fast). Doch irgendetwas scheint da auf sie zuzukommen, sie spürt es. Langsam, aber unaufhaltsam verändert Helen sich, wird unruhig, unkonzentriert, gereizt, müde. In alltäglichen Situationen befallen sie plötzlich Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Sie ahnt, was mit ihr los ist, sagt es aber niemandem. Helen steht neben sich, scheint nicht mehr in ihr altes Leben zu gehören. Ihr Mann und ihre Tochter kommen nicht mehr an sie heran. Nur noch eine Freundin (Laureen Lee Smith), selbst depressiv, versteht sie. Einfache Lösungen verweigert der Film: Depression wird als komplexe Krankheit dargestellt, die nicht mit gut gemeinter Fürsorge zu beheben ist. Denn, so sagt ein Arzt: "Ihre Frau ist nicht unglücklich. Ihre Frau ist krank."
"Mein Film bietet keine Erklärungen", sagte Sandra Nettelbeck nach der Premiere des Dramas in Köln. "Ich habe keinen Aufklärungsfilm machen wollen." Sie hoffe aber, dass der Film dazu anrege, wichtige und richtige Fragen zum Thema zu stellen.
"Wie in allen meinen Filmen geht es aber doch vor allem um Liebe", sagt die Filmemacherin. Niedergeschlagen oder deprimiert gehe man als Zuschauer nicht aus dem Film, sondern eher still und nachdenklich - nicht zuletzt dank hervorragender Darsteller und einer ruhigen Bildsprache.

Die meisten Bundesbürger glauben an Weiterleben nach dem Tod
Eine Mehrheit der Deutschen glaubt an ein Leben nach dem Tod, zum Beispiel durch die Auferstehung der Toten, die Unsterblichkeit der Seele oder eine Wiedergeburt. Ein Drittel der Bundesbürger lehnt dagegen derartige Vorstellungen eindeutig ab. Dies zeigt die Auswertung einer repräsentativen internationalen Befragung der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des von der Stiftung entwickelten „Religionsmonitors", einer breit angelegten internationalen Erhebung unter 21’000 Menschen aus allen Erdteilrn und Hochreligionen.
Danach befragt, wie stark sie an ein Leben nach dem Tod glauben, erklärten danach 33% der Befragten, dass sie dies „sehr" oder „ziemlich" fest glauben, 33% „mittel" oder „wenig" und 32% glauben „gar nicht" daran. Gleichzeitig ist der Auferstehungsglauben in der Bevölkerung sehr unterschiedlich verbreitet. Insbesondere zeigen sich starke Unterschiede zwischen Ost und West. Während 60% der Ostdeutschen mit der Vorstellung von einem Weiterleben nach dem Tod gar nichts oder nur wenig anfangen können, sagen dies nur 25% der Westdeutschen. Ziemlich oder sehr glauben dagegen nur 13% der Ostdeutschen, aber 38% der Westdeutschen. Frauen erwarten ebenfalls häufiger als Männer ein Weiterleben nach dem Tod.
Deutliche, zum Teil überraschende Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Generationen. So sind sich die Menschen unter 30 Jahren deutlich sicherer in ihrem Auferstehungsglauben als die Älteren. Während die Jüngeren zu 41% sehr oder ziemlich fest glauben, sind es bei den Älteren über 60 Jahre nur noch 32%. Umgekehrt ist der Anteil derjenigen, die die Vorstellung an ein Leben nach dem Tod klar von sich weisen, bei den über 60-Jährigen mit 37% doppelt so groß wie bei den Jüngeren. Unter getauften evangelischen Kirchenmitgliedern lehnen 30% den Auferstehungsglauben ab, bei Katholiken sind es dagegen nur 15%. Im Vergleich dazu ist unter den in Deutschland lebenden Moslems eine entsprechende Vorstellung sehr viel lebendiger. Von ihnen sagen nur 10%, dass sie in keiner Weise an ein Leben nach dem Tode glauben, 74% glauben dies dagegen sehr oder ziemlich.
Auch unter nichtreligiösen Menschen in Deutschland ist der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod ebenfalls keine Ausnahmeerscheinung. So erklärten von den Befragten, die sich in den Interviews als nicht-religiös einstuften, immerhin 13% dass sie sehr, ziemlich oder mittel stark an solche Vorstellungen glauben, weitere 19% immerhin noch ein wenig.
Im internationalen Vergleich liegt die Intensität der Glaubensvorstellungen der Deutschen über ein Leben nach dem Tod im mittleren Bereich. So ist in der Schweiz und Österreich der Glauben an ein Leben nach dem Tod etwas lebendiger als in Deutschland, stärker ausgeprägt in Italien oder in Polen aber insbesondere in den USA. In Frankreich, Australien oder Großbritannien lässt sich eine ähnliche Verbreitung nachweisen wie in Deutschland.
Die Analyse der Glaubensvorstellungen der Deutschen und ihre Auffassung über ein Leben nach dem Tod ist Teil einer breit angelegten internationalen Erhebung unter 21.000 Menschen aus allen Weltregionen und Hochreligionen. Mit Unterstützung von Fachleuten aus Religionswissenschaft, Soziologie, Psychologie und Theologie hat die Bertelsmann Stiftung den „Religionsmonitor" entwickelt.
Quelle: Woran glaubt die Welt? Analysen und Kommentare zum Religionsmonitor. 790 Seiten mit CD-ROM, gebunden mit Schutzumschlag. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), 49 Euro/ 81 CHF. ISBN 978-3-89204-949-4. Siehe
www.religionsmonitor.com


Gericht verurteilt Reiki-Meister
Ein 51jähriger Reiki-Meister ist vom Amtsgericht Nürnberg zu 17 Monaten Haft verurteilt worden - wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses.
Sein Opfer, eine 35 Jahre alte Frau, die in Ravensburg lebt und in Russland geboren ist, litt nach eigenen Aussagen an Gallensteinen, hatte jedoch panische Angst, diese operativ entfernen zu lassen. Irgendwann erfuhr sie von der fernöstlichen Heilmethode des Reiki. Erste Besuche bei einem 29-jährigen Meister brachten nicht die gewünschten Erfolge - möglicherweise, weil der noch neu im Fach war und nicht über die notwendige "Energie" für eine Heilung verfügte. In ihrer Verzweiflung wandte sich die verheiratete Mutter eines sechsjährigen Buben an den Lehrmeister ihres ersten Heilpraktikers - eben den 51Jährigen in Neu-Ulm, dessen Wiege in Kasachstan stand; die Patientin beeindruckte, dass er eine gewisse Ähnlichkeit mit dem früheren sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew aufweist.
Als die Frau im Mai 2008 den Heiler in dessen Wohn- und Praxisräumen, in denen er mit Frau und Kindern lebt, aufsuchte, diagnostizierte er "schwarze Energie" im Unterleib der Frau. Dadurch, so der Befund, könne er als Reiki-Meister keine "saubere" Energie übertragen. Um das zu bewerkstelligen, müsse erst die schlechte Energie ausgeschwemmt werden. Auf seine Anweisung hin zog sich die Frau komplett aus, um die Reinigungsprozedur über sich ergehen zu lassen. Diese bestand darin, dass der Meister der 35-Jährigen am Unterleib herumfingerte - nach Aussage des Opfers 20 Minuten lang.
Erst später, nach Gesprächen mit einer Freundin, dämmerte ihr, was ihr der Neu-Ulmer angetan hatte, so dass sie zur Polizei ging. Der Angeklagte behauptete, das Ganze sei ein Racheakt der Frau an ihm. Nach einer Behandlung ihres Vaters durch ihn sei es dem Mann immer schlechter gegangen. Die Frau habe ihn beschuldigt, den Alten verflucht zu haben. Bei Nicht-Rücknahme des Fluchs werde sie ihm die "Mafia" auf den Hals hetzen.
Im Prozess stand Aussage gegen Aussage. Während der Staatsanwalt wegen der "konstanten" Aussagen dem Opfer glaubte, hielt der Verteidiger die Frau für völlig unglaubwürdig. Er verwies auf zwei Leumundszeuginnen, die dem Reiki-Meister eine gewissenhafte Ausübung seiner Heilertätigkeit bescheinigt hatten. Heiermann beantragte Freispruch nach dem Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Das Gericht folgte in seinem Urteil der Staatsanwaltschaft. Für die Frau hat die leidvolle Geschichte zumindest etwas Positives: Jetzt will sie ihre Gallensteine entfernen lassen - von Schulmedizinern.


 

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