|
Behörden warnen vor „Wundermittel“ MMS – Haben Sie Erfahrungen damit?
Seit Monaten verbreiten Gesundheitsbehörden und Ärzteorganisationen furchterregende Warnungen vor dem vermeintlichen „Wundermittel“ MMS (Miracle Mineral Supplement), das vor allem über das Internet, per Mailings und auf Esoterikmessen vertrieben wird. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Besteht wirklich Grund zu pauschaler Panikmache?
Erfinder ist der US-Amerikaner Jim Humble, ein ehemaliger Goldgräber und Scientologe – schon diese Herkunft mutet verdächtig an, ebenso wie das marktschreierische Anpreisen als „medizinisches Wunder“. Bei Humbles MMS handelt es sich um eine Lösung, die in kleinen Flaschen angeboten wird; sie enthält die Chemikalie Natriumchlorit - nicht zu verwechseln mit Natriumchlorid (Kochsalz) -, die seit Jahrzehnten zur Desinfektion von Wasser verwendet wird; als „Aktivator“ wird ihr zehnprozentige Zitronensäure beigemischt. Wie der Hersteller versichert, habe sich MMS „als vielleicht stärkstes Antibiotikum für den Menschen“ erwiesen. „Was zur Hoffnung Millionen Kranker werden könnte, wird von offizieller Seite jedoch bewusst totgeschwiegen. Tausende Menschen haben das MMS jetzt schon gekauft und nehmen es – mit hervorragenden Resultaten. Alle möglichen Krankheiten sind so bereits geheilt worden, und viele haben mir von ihrem Erfolg berichtet“ – unter anderem bei „AIDS, Hepatitis A, B und C, Malaria, Herpes, Tuberkulose, den meisten Krebsformen und viele weitere ernste Erkrankungen“. Auch helfe das Mineralienpräparat „gegen Erkältungen, Grippe, Lungenentzündung, Halsschmerzen, Warzen, Entzündungen im Mundraum und selbst bei entzündeten Zähnen“. Humble habe „in Amerika und Afrika Tausende von Menschen gesund werden sehen, und ebenso in Mexiko. Wahrscheinlich bin ich in der glücklichen Position, mehr Menschen genesen gesehen zu haben, als jeder andere auf der Welt, und ich hoffe, dass sich im Laufe der Zeit Menschen finden werden, die meine Methoden noch bei weitem verbessern.“
Demgegenüber läutet das Bundesinstitut für Arzneimittel(BfArM) schrille Alarmglocken. Zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen, die mit der Einnahme der Tropfen auftreten können, sollen gehören: Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Nierenversagen bis hin zu schweren Darmschädigungen. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (vzsh) berichtet vom Fall einer Frau, die innerhalb von zwölf Stunden nach der Einnahme von MMS gestorben sei. Augenärzte erläutern, bereits zwei Tropfen führten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verätzungen auf der Augenoberfläche; die MMS-Lösung enthält 28 Prozent Natriumhypochlorit, weshalb sie keinesfalls auf die Augen getropft werden dürfe; kommt es dazu, so müsse das Auge sofort ausgespült werden, andernfalls drohen Verätzungen mit einem erheblichen Erblindungsrisiko. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, dass MMS - unverdünnt oder falsch gemischt - bei direktem Kontakt zu Haut- und Schleimhautreizungen und zu Verätzungen führen könne. Werde Natriumchlorit in Wasser gelöst und mit einer Säure vermischt, bilde sich das als "sehr giftig", "ätzend", "umweltgefährlich" und "brandfördernd" eingestufte Chlordioxid. Nach Angaben der vzsh wird die Substanz als Desinfektionsmittel und als Bleichmittel für Textilien eingesetzt.
Verbrauchern, die bereits MMS gekauft haben, wird von Warnern empfohlen, die Einnahme sofort zu stoppen, zudem müssen Reste als Sondermüll entsorgt werden.
Falls Sie bereits MMS ausprobiert haben: Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Bitte berichten Sie an vorstand@stiftung-auswege.de. Gerne geben wir Ihre Hinweise in einer der nächsten Ausgaben dieses Newsletters an unsere Leser weiter.

|