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”Auf den Weg gebracht”
Erwachsene Patienten im 15. Auswege-Camp

12 von 13 erwachsenen Patienten, die ins 15. „Auswege“-Camp gekommen waren, profitierten deutlich von ihrer Teilnahme: sei es bei schweren Behinderungen, bei Diabetes und einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung, bei Migräne und anderen chronischen Schmerzen, sei es bei extremen seelischen Belastungen wie Depressionen und Traumata nach Missbrauch. In Fällen, bei denen körperliche Symptome fortbestanden, tat sich zumindest auf geistig-seelischer Ebene erfreulich viel.

Janina* (18)
Tetraspastik, geistig-körperliche Behinderungen, gestörtes Sehvermögen, autistisches Verhalten
s. separaten Bericht hier.


NEWSL Myriam 150p
Myriam* (44)
Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch, Schlafstörungen, Erschöpfung, zwanghaftes Verhalten
In Polen geboren, zog Myriam als Sechsjährige mit ihrer Mutter und der zwei Jahre älteren Schwester nach Deutschland, wohin der Vater schon drei Jahre zuvor ausgereist war. Weil beide Eltern arbeiteten, blieben die Kinder meist sich selbst überlassen. Häusliche Gewalt war an der Tagesordnung: Oftmals schlug der Vater die Mutter und Myriam. Zwischen ihrem achten und fünfzehnten Lebensjahr wurde Myriam von Freunden des Vaters mehrfach sexuell missbraucht; aus Scham offenbarte sie sich niemandem. Als der Vater die Übergriffe zufällig entdeckte, tröstete er seine Tochter nicht etwa – er verprügelte, verachtete und mied sie fortan. Nachdem ihr Tagebuch von einer Klassenkameradin in der Schule laut vorgelesen wurde, war sie so verzweifelt und beschämt, dass sie einen Selbstmordversuch unternahm.
In den Jahren 2009/2010 wurde Myriam am Arbeitsplatz von einem Kollegen derart gemobbt, dass sie stationär in eine Klinik aufgenommen wurde.
Aus einer dreijährigen Partnerschaft stammt Myriams Tochter (inzwischen 16). Mit deren Erziehung fühlte sich Myriam derart überfordert, dass sie von sich aus das Jugendamt einschaltete; so kam die Tochter mit elf Jahren in eine Jugendgruppe, inzwischen befindet sie sich in Polen, wo sie sich angeblich stabilisiert hat. Zuvor, so Myriam, habe ihr Kind exzessiv Alkohol getrunken („Komasaufen“), auch Drogen ausprobiert; dreimal sei es mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden, beim letzten Mal musste es reanimiert werden.
Myriam klagt über ausgeprägte Schlafstörungen mit Alpträumen und häufigem Aufschrecken aus dem Schlaf, Erschöpfung, Flashbacks, Vergesslichkeit, zwanghaftes Verhalten (z.B. Händewaschen), Stimmungseinbrüche bis hin zu Suizidgedanken, Ängste, schwer zu kontrollierende Wut.
In ambulanter Psychotherapie war Myriam von 1999 bis 2001, seit Herbst 2010 ist sie es erneut. Dies, zusammen mit Heilmeditation, Lehren spiritueller Meister, Gespräche über Karma und kosmisches Lernen habe ihr geholfen, psychisch etwas stabiler zu werden; in schwierigen Zeiten fühlt sie sich von ihrer Meditationslehrerin derart unterstützt, dass sie in dieser „eine Art Mutterersatz“ sieht. Inzwischen sieht sie sich „etwas mehr in meiner Mitte als früher“. Auch eine innige Beziehung zu Nichten und Neffen helfen ihr. Ihre Hobbies: Fitnesstraining und Kampfsport.
Was die schwer traumatisierte Frau während des Camps erlebte, fand sie „echt Klasse! Anderen gegenüber konnte ich mich in dieser geschützten Umgebung viel schneller öffnen als im normalen Alltag.“ Was sie am schwersten belastete – „meine innere Wut, meine Unausgeglichenheit, meine Ängste und Zweifel“ – hätten hier „deutlich nachgelassen“, urteilte sie abschließend. „Ich bin gelassener geworden, ruhiger, zuversichtlicher, mutiger“. Sie schlafe häufiger, länger und tiefer, habe mehr „Lust auf Bewegung“, ein größeres „Unterhaltungsbedürfnis“ – und sie lache öfter. Sogar ihre Haut sei „weicher“ geworden. „Ich bin so froh, hier zu sein! Danke, lieber Gott, dass Du dafür gesorgt hast!“
Auch unser Camparzt äußert sich beeindruckt von Myriams Fortschritten: „Nach anfänglich großer Distanz fasste sie zunehmend Vertrauen zu den Therapeuten, öffnete sich für tiefgehende Gespräche, und im geschützten Rahmen des Camps konnte sie auch über ihre Geschichte reden. Zu mir sagte sie: ‚Ich fühle mich leichter und unbeschwerter. Eingebettet sein tut gut.’“


Pamela* (49)
Depression, Angstzustände, Sehstörungen, Migräne, Bluthochdruck, Arthrose
Anhaltender Verlustschmerz führt Pamela nun schon zum sechsten Mal in ein Auswege-Camp. Im Januar 2013 verstarb ihr Ehemann an einer unaufhaltsamen, zu fortschreitenden Lähmungen führenden Motoneuronenerkrankung; nachdem Pamela ihn hingebungsvoll gepflegt hatte, „sehe ich nun für mich keinen Ausweg mehr. Dieser riesengroße Schicksalsschlag hat mich völlig aus der Bahn geworfen, ein großer Teil von mir ist mit ihm gegangen.“ Nun „fehlt mir alles, mein ganzer Lebensinhalt. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wie es ohne ihn weitergehen soll.“
Seit Juli 2013 hat Pamela bereits fünf „Auswege“-Camps hinter sich. Jedesmal wurde sie dort psychisch stabiler und zuversichtlicher – doch zu Hause geriet sie stets wieder ins tiefste und finsterste aller Jammertäler. Eine breite Palette von (vermutlich großteils psychosomatischen) Symptomen – von Migräne über Bluthochdruck bis hin zu Schmerzen – hat sich vergrößert: darunter lästige „Punkte im Gesichtsfeld“, die noch „stärker, intensiver, unruhiger“ geworden seien. Auch ein starker Haarausfall sei gegen Ende des letzten Camps vermehrt aufgetreten.
Wie steht es um Pamela aktuell? Ein Telefonat Ende Juni 2014 ergab: Psychisch gehe es ihr noch schlechter als vor dem letzten Camp Anfang Mai; die „Euphorie“, die sie von dort mitgenommen habe, könne sie im Alltag nicht beibehalten; sie weine „den ganzen Tag“; ihr Erschöpfungszustand habe sich verschlechtert; in ständigem Wechsel treten Bauch- und Arthroseschmerzen auf; sie leide an schrecklichen Ängsten vor dem Leben und vor Krankheiten. Als neues Symptom sei „extremer Schwindel“ aufgetreten. Weil ihr Hausfall vermutlich von Eisenmangel herrühre, seien ihr Eisentabletten verordnet worden; diese hätten aber zu Durchfall geführt, woraufhin sie die Pillen absetzte. Kurzum: Kein Funken Besserung in Sicht …
Wie bei all ihren früheren Camps, so ging es Pamela auch diesmal „so lange gut, wie ich hier bin – sobald ich zu Hause ankomme, ist alles wieder weg.“ Alle Therapeuten, die sich in Rödinghausen mit ihr befassten, erlebten ihre Verfassung als enorm schwankend: „Mal wirkt sie fröhlich, zuversichtlich, wie befreit – dann wieder zieht sie sich zurück, grübelt, gibt sich ihrer Trauer hin“, äußerte ein Teammitglied. Unsere Psychotherapeutin sieht sie „voller Wut über ihre Situation. Sie hadert mit Gott, weil der ihr den Mann wegnahm, und verzweifelt an der Ungerechtigkeit ihres Schicksals.“ An ihren körperlichen Symptomen änderte sich unter diesen Umständen nichts; nach ihren Angaben hat sich der Haarausfall sogar leicht verschlimmert. Trotzdem will sie auch an den zwei weiteren Therapiecamps dieses Jahres teilnehmen – „nicht um kluge Reden zu hören, sondern einfach um Energie zu tanken“, wie sie gegenüber dem Camparzt äußerte. Gleichwohl fällt dessen Prognose optimistisch aus: „Pamela ist ein ‚harter Brocken’ – aber aus der Quantenphysik wissen wir, dass in jedem Fels genauso viel atomare Bewegung ist wie in jedem ‚weicheren’ Stück Materie. Scheinbar bleibt dieser Brocken unbeweglich, aber innerlich spielen sich sehr viele scheinbar noch ineffektive Harmonisierungen ab, die offenbar erst nach einer unbestimmten Latenzzeit ausgerichtet sein werden, eben ‚beendet’. Dann ‚entpuppt’ sie sich – und der Schmetterling erscheint! Wann? Unbekannt! Aber dass es so kommen wird, glaube ich fest seit dem letzten Gespräch mit ihr. Sie braucht einfach ihre Zeit!“

Dorothea* (54)
Alpha1 Antitrypsin-Mangel, COPD, Lungenemphysem
Bereits zum dritten Mal vertraute sich Dorothea uns an, gemeinsam mit ihrem Ehemann Gerald: wegen einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (englisch chronic obstructive pulmonary disease, Abkürzung: COPD), die mit Husten, vermehrtem Auswurf und Atemnot bei Belastung einhergeht. Ständig ist sie auf ein Beatmungsgerät angewiesen.
Zudem wurde bei ihr ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel festgestellt: eine Erbkrankheit, bei der aufgrund eines Gendefekts zuwenig Alpha-1-Antitrypsin gebildet wird, ein Proteaseinhibitor im Blutplasma; dieses Trypsin spielt eine zentrale Rolle bei der Hemmung verschiedener Enzyme, die bei Entzündungsprozessen freigesetzt werden. Ein Mangel führt zu einer unkontrollierten Aktivität dieser Enzyme. Nach langjährigem Krankheitsverlauf kann sich daraus, wie in Dorothea´ Fall, ein Lungenemphysem entwickeln; dabei wird das Lungengewebe durch immer größere Luftblasen überdehnt, was die Wände der feinen Lungenbläschen (Alveolen) unwiderruflich zerstört.
Während einer ersten Campteilnahme im Juli 2013 kam Dorothea, nach eigenen Angaben, „längere Zeit ohne Sauerstoffzufuhr aus“ und hat „besser geschlafen. Panikattacken hatte ich wesentlich seltener.“ Zu Hause sei es ihr danach „wesentlich besser gegangen“, schrieb sie uns ein Vierteljahr später – „was im Laufe der Zeit wieder ein bisschen nachgelassen hat“. Auch eine zweite Campwoche im Spätherbst 2013 tat ihr gut: Sowohl nach ihrer eigenen Einschätzung als auch nach dem Eindruck unseres Camparztes ließen die COPD-Symptome während der Heilwoche wieder nach, zeitweilig kam sie ohne Beatmungsgerät aus. Therapiehindernisse vermutet unser Camp Arzt in ihrer Psyche: „Seelisch sieht sie sich auf einem aufsteigenden Weg – aber sie traut sich nicht, diesem Weg zu folgen. Immer noch plagen sie zu viele Ängste, dass es ihr schlecht gehen könnte. In manchen Situationen habe ich den Eindruck, dass sie diese Krankheit braucht, um eine Leere in ihrer Seele zu überdecken: Wäre sie gesund, dann müsste sie wieder für sich selbst sorgen – und ihr Mann bräuchte sie nicht mehr zu verwöhnen. Aber das will sie nicht.“
Wie geht es Dorothea momentan? „Nicht deutlich besser“, berichtete uns ihr Ehemann in zwei E-Mails Mitte Mai und Ende Juni. „Ein Husten und die Verschleimung der Atemwege sind geblieben. Nach ihrem Empfinden bekommt sie in den vergangenen Wochen schlechter Luft. Klimaschwankungen? Luftfeuchtigkeit?“ Von einer starken Infektion im November 2013 habe sie sich bis heute nicht vollständig erholt, was sich auf ihre Psyche auswirke: „Warum geht es mir nicht besser, wo ich doch jeden Tag meditiere und an mir arbeite?“, so frage Dorothea – „dann kommt die Angst, und mit der Angst kommt die Atemnot.“
Diese Atemnot habe während des Camps immerhin „ein wenig nachgelassen“, berichtete Dorothea abschließend; häufiger sei sie ohne Sauerstoffgerät ausgekommen. Darüber hinaus fühle sie sich „psychisch gestärkter“ und „zuversichtlich“. Die beiden Schläuche in ihrer Nase, über die sie sich künstlich beatmen lässt, hält unser Camparzt für „bloße Placebos; sie wären überflüssig, wenn Dorothea lernen würde, normal zu atmen“ - was sie jedesmal tat, „sobald sie sich auf etwas anderes konzentrierte“. Ihr zwanghafter Eindruck, auf das Gerät angewiesen sind, könnte nach Einschätzung mehrerer Teammitglieder von subjektiven Krankheitsgewinnen herrühren: Sie hat Angst vor Verlusten, die ihre Genesung mit sich bringen könnte  – und „Angst, eigenverantwortlich ins Leben zu treten“, wie unser leitender Camparzt abschließend konstatierte.


Anita* (61)
Spinalkanalstenose, chron. rezid. Zystitis
Seit Herbst 2002 leidet Anita an einer Spinalkanalstenose im Bereich des fünften und sechsten Halswirbels: einer Verengung des Kanals in der Wirbelsäule, in dem das Rückenmark verläuft; durch Druck auf das Rückenmark, Nerven und Blutgefäße kann eine solche Erkrankung zu Rückenschmerzen und bleibenden Nervenschädigungen führen. Neben starken Rückenbeschwerden klagt Anita über Schwindelanfälle, Taubheitsgefühle und „Augenblitze“, die „ich bis jetzt mit Physiotherapie, Akupunktur und Feldenkrais in Schach halten konnte, obwohl eine OP angeraten wurde“.
Im November 2012 trat erstmals eine Zystitis auf - eine nicht infektiöse Blasenentzündung -, die seither chronisch geworden ist und immer wiederkehrt; sie sorgt für starkes Brennen.
Seelisch belasten Anita Schuldgefühle, sowohl gegenüber ihrem Ehemann Horst (s.u.) als auch ihrer gemeinsamen Tochter. „Als ich meinen Mann vor 40 Jahren kennenlernte, war ich psychisch sehr krank. Meine Mutter war während des Krieges in polnischer und russischer Gefangenschaft; nach dem Krieg und auch während meiner Kindheit bestand darüber ‚Sprachlosigkeit’ und Unverständnis von Seiten meines Vaters. In der Pubertät bin ich wohl unter anderem deswegen psychisch erkrankt, mit starken Existenzängsten. Ich wollte aber immer leben. Mein Mann hat mich ‚gerettet’. Mein Schuldgefühl ist, dass ich ihn überfordert habe und so seine Krankheit Jahre später mit ausgelöst haben könnte.“
Ihre inzwischen 26jährige Tochter beschreibt sie als „stark ichbezogen, respektlos und arrogant“. Dafür fühlt sich Anita verantwortlich: „Vor lauter Überfürsorge aufgrund meiner eigenen Existenzängste und der Furcht, die Kinderseele könne Schaden nehmen, habe ich sie womöglich zu liebevoll erzogen“. Auch könnte „ich durch mein eigenes schwieriges Leben im Zellgedächtnis ohne Absicht etwas weitergegeben haben.“
Anitas persönliche Campbilanz:
Die Symptome ihrer chronischen Blasenschleimhautentzündung haben „ein wenig“ nachgelassen („brennt weniger“), die Schmerzen aufgrund einer Stenose der Halswirbelsäule sogar „deutlich“. Außerdem fühle sie sich „vitaler“. Ihre wichtigste Entwicklungsaufgabe, ohne deren Lösung sich die körperliche Symptomatik schwerlich bessern wird, sieht unser Camparzt indes im geistig-seelischen Bereich: die Befreiung von Schuldgefühlen; „im Camp fing sie schon erfolgreich damit an“.


NEWSL Anja 150p
Anja* (61)
Diabetes mellitus, chronische Schmerzen nach Bandscheibenvorfall, Arthrose
Seit bald fünfzig Jahren leidet die Rentnerin an Diabetes mellitus; ihr HbA1c-Wert, wichtiger Indikator für die durchschnittliche Blutzuckerlage, schwankt zwischen 6,9 und 7,2. (Die Grundlage für den Wert sind Zuckerteilchen, die sich an das Hämoglobin (Hb) angelagert haben - den roten Blutfarbstoff im Inneren der roten Blutkörperchen. Das Hämoglobin mit seinem "Zuckerguss" wird "glykiertes Hämoglobin" genannt, kurz HbA1. Der größte Teil dieses Zuckergusses hängt an einer bestimmten Untereinheit des Hämoglobins - Mediziner sprechen vom HbA1c.) Daher ist Anja auf Insulin angewiesen: Morgens spritzt sie sich 7 Einheiten, abends 6.
2005 erlitt Anja einen massiven Bandscheibenvorfall, der bis heute ständige Schmerzen verursacht. Nachdem ihr Kortison an der Nervenwurzel gespritzt wurde, konnte sie zwar wieder laufen; doch Schmerzlinderung wurde nur vorübergehend erreicht. Ihrem Orthopäden erschien schon damals, vor über acht Jahren, eine Operation „dringlich notwendig, da die Patientin jetzt schon motorische Ausfallerscheinungen zeigt“. Dazu jedoch konnte Anja sich bisher nicht entschließen, auch wegen der ärztlichen Risikoeinschätzung, dass „eine Mikrodisektomie“ – ein Eingriff, bei dem der an der schmerzhaften Nervenkompression beteiligte Teil des Wirbelknochens bzw. der Bandscheibe entfernt wird – „den schon vorhandenen verschleißbedingten Veränderungen in Form einer Osteochondrose Vorschub leisten könnte“. Stattdessen nimmt Anja in Kauf, auf ein hochdosiertes Opioid (Tilidin) angewiesen zu sein, das für die Behandlung sehr starker Schmerzen eingesetzt wird – ohne dieses Mittel „wäre ein Alltag unmöglich“.
Nach ihrem ersten Campaufenthalt im Juli 2013, ebenfalls in Rödinghausen, hatten ihre prolapsbedingten chronischen Schmerzen deutlich nachgelassen. „Nach wenigen Tagen“, so beobachtete ein Teammitglied, „begegnete sie uns mit völlig verändertem Gesichtsausdruck – begeistert.“
Auch ihre zweite Campteilnahme tat Anja gut: Während des Camps ließen ihre chronischen Schmerzen „ein wenig“ nach. Allerdings musste sie ihre Insulindosis tageweise leicht erhöhen. Weitaus wichtiger war ihr aber, während ihrer 17 Therapiesitzungen „eine große Belastung losgeworden“ zu sein. „Ich weiß nun, wo mein Weg hinführt: nach vorne. Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich“, notierte sie am vorletzten Camptag in ihr Tagebuch. Eine wesentliche Voraussetzung für weitere gesundheitliche Fortschritte sieht der ärztliche Leiter unseres Camps im geistig-seelischen Bereich: Anja müsse „erst noch lernen, dass sie jetzt ihr eigenes Leben organisieren darf“ – sie müsse „ihre Ohnmacht und Hilflosigkeit dem Leben gegenüber ablegen“.


Gerald* (60)
Bluthochdruck, Knie-, Muskelschmerzen, Prostatavergrößerung
Seit 2000 leidet der Verwaltungsangestellte, Ehemann von Dorothea* (s.o.), an Bluthochdruck – „medikamentös gut eingestellt“, wie er sagt, allerdings mit häufigem Nasenbluten. Zudem plagen ihn Schmerzen im Knie und Muskelverkrampfungen, die ihn beim Gehen behindern; weder diverse Schmerzmittel (Tabletten und Salben) noch Physiotherapie brachten Besserung. Seit 2002 macht sich eine Prostataerweiterung daran bemerkbar, dass Gerald einen ständigen Druck auf der Blase verspürt und häufig Wasser lassen muss.
Der leitende Arzt des 11. Auswege-Camps im Juli 2013, an dem Gerald teilgenommen hatte, erlebte ihn dort als „nicht ernstlich krank. In seinem Bluthochdruck spiegelt sich der hohe Druck, der sich aus der Sorge für seine schwerkranke Frau ergibt.“ Wie Gerald berichtet,
haben „meine Schmerzen im Bewegungsapparat, aber auch Allergien deutlich nachgelassen“, sein Bluthochdruck immerhin „ein wenig“, es kam zu „keinem Nasenbluten mehr“. „Meine innere Unruhe hat deutlich nachgelassen. Keine Missstimmung, kein Groll. Ich schlafe gut und tief. Hier habe ich eine positive Lebenseinstellung und wieder Ziele gefunden“, und dies wiederholte sich bei seiner zweiten Campteilnahme im November 2013 in Schwarzenborn: „Meine Schmerzen in Muskeln, Kopf und Brust haben deutlich nachgelassen“, sein Bluthochdruck „ein wenig“; er fühle sich „vital“, seine seelische Verfassung habe sich „erheblich verbessert“. Nach Einschätzung des Camparztes profitierte das Ehepaar besonders von gemeinsamer Gesprächstherapie. Dabei „haben beide verstanden, dass ihre Beschwerden stark mit Verhaltensweisen und Lebensvorstellungen des anderen zusammenhängen. Das macht ihnen Mut und gibt ihnen die Zuversicht, eine neue Lebensgrundlage für mehr Gemeinsamkeiten zu schaffen.“
Auf Nachfrage im Mai 2014 sowie nochmals Ende Juni 2014 erklärte Gerald, er sei „auf dem Weg, mich zu stabilisieren, aber manchmal verfalle ich kurzzeitig wieder in eine resignative Stimmung.“ Alles in allem habe sich seine „Psyche verbessert, ich bin nicht mehr so oft niedergeschlagen, habe Selbstwertgefühl zurückerobert“. Anhaltende Konflikte am Arbeitsplatz, bis hin zu Mobbing, „greifen mich nicht mehr so an, ich sehe sie gelassener.“ Auch nach Einschätzung seines Hausarztes, der selber alternative Heilmethoden anwendet, sind „viele Krankheitssymptome schwächer geworden.“ Im Muskelbereich habe er inzwischen „erheblich weniger Schmerzen“, was er in erster Linie auf eine Entgiftung und chiropraktische Behandlung zurückführt. Sein Blutdruck sei „weiterhin erhöht, ist aber besser geworden“. Sein Prostataleiden habe er mittlerweile „in den Griff bekommen“.
Auch von seiner dritten Campteilnahme profitierte Gerald offenkundig: „Meine Schmerzen in der Oberschenkelmuskulatur und den Adduktoren haben deutlich nachgelassen“, wie er abschließend angab. Seiner psychischen Verfassung habe das Camp erneut sehr gut getan: Er fühle sich „zuversichtlich, frohgestimmt und hoffnungsvoll“. Bluthochdruck und Harndrang seien allerdings „im wesentlichen gleichgeblieben“. Geralds gesundheitliche Probleme sah unser Camparzt weiterhin „eng verwoben mit den Befunden seiner Ehefrau“ (s.o. Dorothea*); „wenn er sieht, dass sie neuen Mut schöpft, erleichtert ihn das sehr.“

NEWSL Vera 150p
Vera* (62)
chronische Magen/Darm-Beschwerden, Polyarthrose, depressive Störung, Schmerzen nach Gebärmuttersenkung
Seit über 30 Jahren machen der examinierten Altenpflegerin chronische Magen-Darm-Beschwerden zu schaffen, „mit Durchfall bei jedem Stuhlgang, Krämpfen, Völlegefühl (‚Stein im Magen’), Blähungen, Kribbeln, Unruhe und Spannungsgefühl im Bauch“.
Seit 2012 sind beide Hände von einer Polyarthrose betroffen: Sie schmerzen, sind sehr druckempfindlich.
2013 wurde eine Gebärmuttersenkung diagnostiziert; sie verursacht Schmerzen im Unterleib und beim Setzen.
Psychisch fühlt sich Vera seit Mitte der siebziger Jahre aus dem Gleichgewicht gebracht: Immer wieder treten depressive Störungen auf. Als deren Hauptsymptome nennt sie „Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Gefühl der Überlastung“. Ein ärztlicher Befundbericht zählt darüber hinaus auf: „Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, sozialer Rückzug, Interessenverlust, Konzentrationseinschränkungen, innere Unruhe, Anspannung, Schlafstörungen“.
Gemeinsam mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder war Vera bei Eltern und Großeltern aufgewachsen; ihr Bruder sei immer bevorzugt worden, sie selbst sei ein ungewolltes Kind gewesen. Ihren Vater beschreibt sie als sehr dominant, streng, jähzornig, lieblos und brutal, die Mutter als herzlich und verständnisvoll. Aus einer inzwischen geschiedenen Ehe hat sie zwei Töchter im Alter von 30 und 35 Jahren.
An der symptomatischen Oberfläche tat sich in der Rödinghausener Therapiewoche nichts, im Gegenteil: Veras Magen-/Darmbeschwerden verschlimmerten sich sogar leicht, wie sie abschließend angab. („Die Durchfälle sind nach wie vor da.“) Allerdings habe
sich „körperlich und seelisch viel gebessert“; ihre depressive Grundstimmung wich „der Überzeugung: ‚Ich werde geheilt!’“ Etliche Heilsitzungen lösten bei ihr intensive Empfindungen aus. Wie unser Camparzt abschließend feststellte, „fühlt sie sich leichter, verspürt weniger Druck. Sie geht mit einem neuen Lebensgefühl nach Hause – mit mehr Mut zu einem Gesinnungswandel im Alltag. Sie versucht jetzt, die Verantwortung für das Wohl ihrer beiden Töchter abzulegen und ihre eigene Lebensfreude zu finden.“


Horst* (62)
Polycythämie
Seit 1998 leidet der Physiker an einer Polycythämie: einer seltenen, chronisch fortschreitenden Erkrankung, bei der im Knochenmark zu viele feste Blutbestandteile (Zellen) gebildet werden; dadurch sinkt im Verhältnis der flüssige Anteil (Blutplasma), weshalb das Blut immer "zähflüssiger" (hyperviskoser) wird. Dadurch steigt das Thromboserisiko, es können Embolien, innere Blutungen und Leukämie auftreten. Daher, so schrieb uns Horsts Ehefrau, „muss mein Mann alle drei Wochen zur Blutkontrolle und gegebenenfalls einen Aderlass machen lassen. Begleiterscheinungen waren bisher Bluthochdruck, erhöhte Harnsäurewerte, Gichtanfälle und ein Glaukom“ („Grüner Star“), bei dem stark erhöhter Augeninnendruck den optischen Nerv schädigt und zu Gesichtsfeldausfällen führt.
Ob seine Knochenmarkserkrankung von den 15 Therapiesitzungen in Rödinghausen beeinflusst werden konnte, werden erst Blutkontrollen erweisen. Eines stand für Horst allerdings schon bei Campende fest:
„Hier sind mir Möglichkeiten zu mehr Lebensfreude eröffnet worden. Viel Energie ist in Bewegung gekommen.“
Auch nach Einschätzung unseres leitenden Camparztes ist Horst während der Tage in Rödinghausen „heiler“ geworden: „Er fing an, seine Symptome in einem neuen Gesamtzusammenhang zu sehen. Das nahm Schleier von seiner bisherigen Sichtweise und gab ihm ein neues Gefühl dafür, nicht mehr alleine Opfer zu sein, sondern gestalterisch auf sein Leben einwirken zu können. Dadurch gewann er Mut und Zuversicht, aktiv werden zu können. Er spürte förmlich die Kraft, die ihn durchströmte. Ihm wurde erleichtert bewusst, dass er die Verantwortung für seine Frau (Anita*, s.o.) ruhig ihr selbst überlassen durfte. Das nahm Druck von seinen Augen, seinen Blutgefäßen, seinen Gelenken und seinem Alltag.“


Magda* (62)
Traumatisierung durch Missbrauch in der Kindheit, Migräne, Unterleibsschmerzen
Jahrzehntelang litt die Lehrerin seelisch wie körperlich unter den Folgen sexuellen Missbrauchs durch ihren eigenen Vater. Als „auffälligste Symptome“ zählt sie auf: „Migräneanfälle, die oft mehrere Tage andauern; sexuelle Empfindungsstörungen; Kontaktstörungen, Schwierigkeiten beim Aufbau tragfähiger Beziehungen; Tendenz zu Schwermut und Resignation, Unfähigkeit, mir ‚die Fülle des Lebens zu nehmen’; Ablehnung der weiblichen Rolle; Handlungsunfähigkeit und Erstarrung in Situationen, die Handeln erfordern; latent vorhandene Todessehnsucht; teilweise Gedächtnisstörungen, Erinnerungslücken“.
Nach wenigen Camptagen im Juli 2013 fühlte sich Magda euphorisch
„wie befreit, wie neugeboren. Ich habe schon so viele Psychotherapien hinter mir, die nix gebracht haben; was ihr hier mit mir gemacht habt, ist unglaublich. So intensiv! Mich hat dieses Camp auf den Weg gebracht.“ Der Camparzt bestätigt: „Sie ist ihrem Gefängnis entflohen.“
Ein knappes Jahr später, im Mai 2014, „kann ich sagen: Das Camp hat einiges bei meinem Mann (Roland*, s.u.) und mir in Bewegung gebracht. Die Vorträge eures Camparztes begleiten uns gedanklich sehr intensiv. Wir fragen uns seitdem stets, was dieses oder jenes Körperproblem uns auf der seelischen Ebene ‚sagen will’. Diese Bewusstseinsarbeit ist uns wirklich eine große Hilfe!“ Allerdings habe sich ihre Migräne mittlerweile „eher verstärkt, ich kämpfe fast täglich mit diesen Kopfschmerzen.“ Zudem sind Unterleibsschmerzen aufgetreten, für die eine Gynäkologin keine organische Ursache finden konnte. „Das belastet mich schon.“
Während des Rödinghausener Camps erlernte Magda eine Visualisierungsmethode, mit der „ich die aufkommende Migräne selber auflösen kann“.
Ihre seelische Verfassung, ihr Allgemeinbefinden habe sich im Laufe der Therapiewoche optimal verbessert: In beiden Hinsichten schätzte sie ihre Fortschritte auf einer elfstufigen Skala (von -5 bis +5) mit „+5“ ein. „Ich bin mir – mit Hilfe eurer Therapien – selber auf die Spur gekommen! ‚Erkenne dich selbst’ hat gut funktioniert. Ich blicke mit größerem Vertrauen in die Zukunft. Mir wurden ‚Auswege’ aufgezeigt. Danke dafür!“
Wie dem ärztlichen Leiter unseres Camps auffiel, „kam Magda ziemlich niedergeschlagen bei uns an, weil auch ihr Mann (Roland*, s.u.) einen ‚Rückfall’ in seine alten Muster hatte. Beide nahmen die Behandlungen und das übrige Campgeschehen anfangs ‚getrennt’ wahr. Durch die jeweilige eigene Verbesserung und die sichtbaren Veränderungen beim anderen fanden sie gegen Ende der Woche mehr und mehr zueinander. Die Erleichterung bei ihr war so offensichtlich, dass man die ‚Steine’ förmlich purzeln sah und hörte, die ihr vom Herzen fielen. Ein weiterer wichtiger Schritt bei ihr!“


Roland* (71)
nervöse Unruhe, Schlaf- und Herzrhythmusstörungen, Depression
Als Hauptgrund, erstmals im Sommer 2013 ein Auswege-Camp aufzusuchen, gab der pensionierte Lehrer, Ehemann von Magda* (s.o.), damals im Anmeldeformular lediglich „nervöse Unruhe“ an, die „nach der Pensionierung zugenommen“ habe. In einem ausführlichen Brief zählte seine Ehefrau Magda (s.o.) etliche weitere Probleme auf: „Herzrhythmusstörungen, obgleich kardiologische Untersuchungen ohne Befund blieben; Schwindelanfälle; Beklemmungsgefühle mit Druck auf der Brust; Suchtgefahr (Alkohol)“, wogegen er allerdings „mit großer Einsicht und Willenskraft“ ankämpfe; Schwierigkeiten, Gefühle zuzulassen und zu zeigen; Schlafstörungen; diffuse Ängste vor Herausforderungen des Alltags; Tendenz, Herausforderungen zu verdrängen und davonzulaufen; Stimmungsschwankungen, Lebensangst, Schwermut, Hypochondrie; Angst vor Alter, Krankheiten und Tod“.
Auch Roland lebte während seines ersten Camps im Juli 2013 regelrecht auf.
„Ich fühle eine positivere Grundhaltung“, zog er damals Bilanz, „und eine deutliche Zunahme meiner Energie. Ich bin ausgeglichener geworden. Die vielen erhaltenen Informationen geben mir wichtige Impulse für meinen noch notwendigen Prozess.“
Und ein knappes Jahr später? „Bei ihm sind viele Beschwerden deutlich zurückgegangen“, bestätigte seine Frau Magda (s.o.) Mitte Mai 2014. „Die Herzrhythmusstörungen treten immer seltener auf; eine gewisse Unruhe ist noch da, aber er versucht darauf einzuwirken; seine tiefsitzenden Resignationsmuster werden ihm schneller bewusst, und gelegentlich überrascht er mich, indem er versucht, am frühen Morgen zu meditieren! Es hat sich also sehr viel bewegt!“
Wie hat sich Rolands körperliche Verfassung im Campverlauf geändert, nach insgesamt 12 Therapiesitzungen? Mit dem Wert „+4“ schätzte er sie selber auf einer elfstufigen Skala ein, die von „-5“ („viel schlechter geworden“) bis „+5“ („viel besser geworden“) reichte. Für den psychischen Bereich setzte er sogar den Spitzenwert „+5“ ein:
„Alte Kränkungen sind bei mir spürbar gelöst worden. Mein Allgemeinbefinden hat sich der ‚Leichtigkeit des Seins’ angenähert.“
Wie unserem leitenden Arzt auffiel, „kam Roland sehr kraftlos ins Camp. Niedergeschlagenheit und Hilflosigkeit prägten die ersten Tage. Durch die Behandlungen und Gespräche kehrten Lebensmut und Zuversicht zurück. Er beendete die Woche mit lächelndem Gesicht und deutlichem Strahlen in den Augen.“


NEWSL Ines 150p
Ines* (73)
Herzinsuffizienz, arterielle Hypertonie, Diabetes
Seit 1995 liegen bei der Rentnerin eine ausgeprägte Herzinsuffizienz bei arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) mit Vorhofflimmern vor, derentwegen sie rasch ermüdet. Im Mai 2008 erlitt sie einen Herzinfarkt.
2001 wurde ihr ein Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) Typ 2 diagnostiziert, weswegen sie ständig auf Insulin angewiesen ist; als Hauptsymptom nennt sie eine ausgeprägte „Schwäche in den Beinen“.
Diabetes mellitus Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, die zu erhöhten Blutzuckerspiegeln führt, was langfristig Blutgefäße und Nerven schädigt. Das kann zu zahlreichen Organproblemen führen. Zu den Folgekrankheiten zählen Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche, Netzhautschäden und viele andere. Die Neigung dazu gilt als genetisch bedingt; außerdem begünstigen sie Übergewicht und Bewegungsmangel.
Erfreulicherweise wirkten sich Ines´ Therapiesitzungen schon während des Camps auf ihre Diabetes aus: „Meine Zuckerwerte sanken um 60 mg/dl!“ Auch ihrer Psyche tat die Heilwoche gut: „Dieses ‚Auswege’-Camp hat mich sehr positiv beeinflusst. – „Alles, was sie bei uns erlebte und hörte, war neu für sie“, bemerkte unser Camparzt abschließend. “Das muss sie erst noch ‚verdauen’ – dann kann es sein, dass allmählich noch eine Verbesserung erfolgt.“


NEWSL Gabriele 150p
Gabriele* (84)
Hypoglykämie, Neuropathie, Muskelschwund
Eine kaum überwindliche Form von Behandlungsresistenz bescherte unserem Campteam im November 2013 die älteste Teilnehmerin: Gabriele. Ihre „Multisystem-Erkrankung“ verdeutlichte uns die frühere Buchhalterin anhand einer mitgebrachten Liste von nicht weniger als 25 verschiedenen Diagnosen. Dazu zählten unter anderem eine Hypoglykämie („Unterzuckerung“) von Kindheit an, bei welcher der Blutzuckerspiegel deutlich unterhalb des altersgemäßen Normwerts liegt. Typische Symptome bei Betroffenen sind Heißhunger, Unruhe, Zittern, Blässe und Schweißausbrüche. 2003 bestätigte eine Biopsie, dass bei Gisela darüber hinaus eine neurogene Muskelatrophie vorliegt: ein nervlich bedingter Muskelschwund, der gewöhnlich zunächst an den Händen einsetzt, nach und nach aber den ganzen Körper befallen kann, verbunden mit ausgedehnten Zuckungen, möglicherweise auch mit Lähmungen. Bei Gisela stehen „Muskelschwäche und leichte Ermüdbarkeit“ im Vordergrund des Krankheitsbilds. 2009 kam eine weitere fatale Diagnose hinzu: eine „Small Fibre Neuropathie“ (SFN), bei der in erster Linie die sogenannten small fibres, die kleinkalibrigen Nervenfasern betroffen sind. Betroffene leiden typischerweise an brennenden Schmerzen und anderen Missempfindungen; die Symptome verstärken sich häufig nachts und beeinträchtigen den Schlaf.
Immerhin
ließen einzelne Beschwerden während eines ersten Camp-Aufenthalts im November 2013 leicht nach, wie Gabriele abschließend einräumte: „Zur Zeit habe ich keine Verdauungsstörungen mehr. Mein linkes Bein hat mehr Kraft. Und ich kann etwas akzeptieren, was ich vorher nicht konnte“, wobei sie auf die Natur dieses „Etwas“ nicht näher einging. Ratschläge erreichten sie freilich kaum: „Bei unseren Gesprächen“, berichtet der Camparzt, „kam ich wenig zu Wort. Eigentlich wollte sie nur ihre eigene Version der Welt verkünden und mich belehren, worauf es beim ‚Gesundmachen’ ankommt, weil meine Kollegen aus der Schulmedizin von all den Dingen, die sie ‚erforscht’ hat, nichts verstehen und die Patienten nur ‚krank machen’. Dabei habe ich erfahren, dass ich bei Bedarf schon ganz gut darin bin, jemandem gut zuzuhören, der das dringend braucht, dabei in einer Art Alpha-Zustand zu sein und gut zu entspannen. So war bei unseren Gesprächen zwei Menschen geholfen!“ 
Bei dieser zweiten Campteilnahme sprach Giselas Symptomatik nach unserem Eindruck auf die Therapiesitzungen deutlich besser an als bei der ersten: „Deutlich nachgelassen“ hätten ihre Erschöpfung, ihre Müdigkeit, ein lästiger Juckreiz am Kopf und besonders an den Ohren, ihr „Brennen in den Augen“, ihr „Heißhunger aufgrund eines Herds in der Bauchspeicheldrüse“, wie unsere älteste Teilnehmerin abschließend zu Protokoll gab. „Auch wurde  mir zum ersten Mal klar, dass meine Ohrgeräusche entschieden nachgelassen haben.“
Auf gezieltes Nachfragen erklärte sie unserem Camparzt allerdings gegen Ende, bei ihr habe „keine Verbesserung“ stattgefunden. Was ihm auffiel: „Allgemeines Reden lenkt sie vom konzentrierten Nachdenken über ihre Krankheiten ab, dann empfindet sie keine Beschwerden irgendwelcher Art. Das kann oft eine halbe Stunde anhalten, wenn man so viel Zeit für sie hat. Ihr Hauptproblem scheint ihre Einsamkeit zu sein. Deshalb liegt ihr Fokus auf dem Lebensbereich, der bei den meisten Menschen ankommt: Krankheit. Sie genießt es, dass man sie ernst nimmt und sich kümmert. Das kann sie bei uns ja immer haben.“


(HW)

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