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Unkonventionelle Therapien in den USA weitverbreitet
Laut einer neuen Gesundheitsstudie der US-Regierung nutzen 38 Prozent der US-amerikanischen Erwachsenen und 12 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 17 Jahren die Angebote von Alternativ- und Komplementärmedizin. Die Studie, die vom National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM), den National Institutes of Health (NIH), dem National Center for Health Statistics (NCHS) und den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erarbeitet wurde, bezog zum ersten Mal auch Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren in die Befragung und Erhebung mit ein. Anhand von Fragen zu 62 Arten von alternativ- und komplementärmedizinischen Angeboten wie Akupunktur, Kräuterzusätze, Meditation oder dem Besuch beim Chiropraktiker, wurde das Verhalten von 23.300 US-Amerikanern bezüglich schulmedizinisch-fremder Anwendungen so detailliert wie nie zuvor analysiert. Im Vergleich zur Vorgängerstudie von 2002 belegen die neuen Daten, die 2007 erhoben wurden, dass sich die Anwendung alternativmedizinischer Angebote und Produkte von 36 auf 38 Prozent unter Erwachsenen nur unwesentlich verändert hatte. Allerdings zeigen sich signifikante Zunahmen bei der Anwendung alternativer Therapien wie speziellen Atemübungen, Meditation oder Yoga. Erwachsene verwendeten alternative Anwendungen am meisten gegen Schmerzleiden im Rücken, Nacken oder zur Behebung von Steifheit oder Arthritis. Hingegen fiel die Nutzung alternativer Medikamente und Therapien, wenn es um die Behandlung von Erkältungskrankheiten ging, dramatisch von 9,5 auf nur noch zwei Prozent. Zudem zeigen die Werte, dass wesentlich mehr Frauen (42,8 Prozent) der Alternativmedizin offen gegenüber stehen als Männer (32,5 Prozent). Wie schon in ähnlichen Studien zuvor wird auch anhand der neuen Untersuchung deutlich, dass die Aufgeschlossenheit gegenüber komplementärmedizinischen Anwendungen mit dem Bildungsgrad steigt: 55,4 Prozent der Anwender hatten akademische Abschlüsse und zeigten sich auch sonst gesundheitsbewusster, wenn etwa 48,1 Prozent der Anwender alternativer Methoden und Mittel etwa mit dem Rauchen aufgehört hatten. Dieser Umstand spiegelt sich dann auch in der Sozialstruktur der Anwender alternativer Medizin wieder. 28,9 Prozent leben in verarmten Verhältnissen, 30,9 Prozent nahe der Armutsgrenze und 43,3 Prozent kommen aus der Mittel- bis Oberschicht.
Komplementärmedizin, wenn das eigene Kind Krebs hat Jedes dritte krebskranke Kind (35 %) erhält neben der schulmedizinischen Behandlung auch komplementäre und alternative Therapien, wie eine Befragung von 1595 Eltern in ganz Deutschland ergab. Die Studie wurde unter der Leitung von Dr. Alfred Längler von der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kinderkrebsregister der Universität Mainz durchgeführt, finanziert von der Deutschen Kinderkrebsstiftung. Sie ist durchaus repräsentativ, da sich fast alle kinderonkologischen Abteilungen in Deutschland beteiligt haben, heißt es in einer Pressemeldung. Mehr als 70 Prozent der Eltern haben mit dem Arzt über den Einsatz unkonventioneller Therapien gesprochen. Allerdings fühlen sich viele über die Möglichkeiten und Grenzen der Komplementärmedizin nicht ausreichend aufgeklärt. (Quelle: Alfred Längler et al., European Journal of Cancer 2008; 44: 2233–2240.)
Heilpraktiker fordern mehr Geld für Forschung
Deutsche Heilpraktiker fordern von der Bundesregierung mehr Fördermittel für ihre Forschungen. "Obwohl etwa 70 Prozent der Deutschen Angebote von Heilpraktikern nutzen, erhalten wir deutlich weniger als 0,01 Prozent des Forschungs- und Entwicklungsetats", sagte Monika Gerhardus, Präsidentin der Union Deutscher Heilpraktiker (UDH), in Hannover. Für die Entwicklung von Therapiemöglichkeiten oder Studien stünden ihnen lediglich rund 600 000 Euro zur Verfügung. Der Gesamtetat umfasst etwa 11 Milliarden Euro. Am Wochenende fanden in Hannover die Heilpraktikertage mit rund 3000 Teilnehmern statt. "Wir bräuchten mindestens das Dreifache der bisherigen Zuwendungen, um erfolgreich forschen zu können", sagte Gerhardus zur dpa. Zwar gebe es bereits Forschungsergebnisse. Die seien aber bei weitem nicht in dem Umfang wie sie die chemisch orientierte pharmazeutische Industrie erstellen können. "Das liegt daran, dass solche Projekte sehr viel Geld benötigen und das hat die Branche der Naturheilkunde nicht zur Verfügung." Die naturheilkundlichen Arzneimittelfirmen könnten das allein nicht schultern. "Das sind in der Regel kleine und kleinste Unternehmen", sagte die UDH-Präsidentin. Zudem sei es schwierig, die rechtlichen Forderungen über die wissenschaftliche Wirksamkeit der Mittel zu erfüllen. "In der Naturheilkunde wiegt Erfahrung mehr als Wissenschaftlichkeit. Da sind wir in einem großen Dilemma." Die Naturheilkunde lasse sich nicht immer logisch und absolut wissenschaftlich nachweisen. Oft wirke ein Medikament - ob homöopathisch oder nicht - bei jedem Menschen anders. Bundesweit gebe es rund 20 000 zugelassene Heilpraktiker, die durchschnittlich 15 Millionen Behandlungen im Jahr durchführen. Dabei erwirtschaften sie nach Verbandsschätzungen jährlich mehr als eine Milliarde Euro - Geld, das die Patienten in der Regel selbst bezahlen, da die gesetzlichen Kassen die Kosten für heilpraktische Behandlungen nicht übernehmen.
US-Todesrate durch Krebs kaum gesunken
Trotz aller medizinischen Bemühungen ist in den USA die Todesrate durch Krebs in den vergangenen 60 Jahren kaum gesunken. Nach wie vor sterben etwa 200 von 100 000 Amerikanern pro Jahr an der heimtückischen Krankheit - nur fünf Prozent weniger als 1950, wie die "New York Times" kürzlich unter Hinweis auf Zahlen des nationalen Zentrums für Gesundheitsstatistik berichtete. Die Todesrate durch Herzleiden sank dagegen im gleichen Zeitraum um etwa zwei Drittel, die durch Schlaganfälle sogar um drei Viertel. Mediziner führen dem Bericht zufolge die enttäuschenden Ergebnisse bei der Krebsbehandlung darauf zurück, dass nach wie vor keine durchschlagenden Behandlungsmethoden gefunden wurden. Bei Herzleiden dagegen waren die medizinischen Fortschritte enorm. Während in den 50er Jahren - bezogen auf 100 000 US-Einwohner - fast dreimal soviel Menschen an Herzkrankheiten starben wie an Krebs, haben sich die Zahlen inzwischen angenähert. Massiv gestiegen ist vor allem die Rate der Lungenkrebstoten, bei Brust- und Prostatakrebs blieben die Zahlen etwa gleich, bei Darmkrebs sanken sie.
Wenn Glaube krank macht
Wer Gott als strafenden Richter sieht, den kann sein Glaube krank machen. Diesen Schluss ziehen Psychologen der Jniversität Zürich und der Ruhr-Universität Bochum aus einer gemeinsamen Studie. Sie fordern, in Therapien vermehrt ein Augenmerk auf das Gottesbild der Patienten zu richten. Für ihre Untersuchung befragten die Forscher 328 Schweizer Kirchgänger, Reformierte, Katholiken und Evangelikale. Alle hatten in den letzten vier Jahren ein belastendes Erlebnis zu verarbeiten, soziale Konflikte, eine schwere Krankheit, ein Trauma oder einen Trauerfall. Die Forscher rechneten damit, dass Menschen mit starkem Glauben seltener unter Angst und Depressionen leiden würden. Doch das war nicht der Fall: In den Antworten der Befragten fanden die Wissenschafter einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einem negativen Gottesbild und Anzeichen von Depressionen, Angstzuständen und vermindertem Wohlbefinden - aber keinen eindeutig positiven Effekt der Religion auf die beiden häufigen psychischen Störungen. «Wir haben starke Anzeichen dafür, dass ein negatives Gottesbild zu psychischen Problemen führen kann», sagt Bernd Krämer, Oberarzt an der Psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich und einer der Autoren der Studie. «Es hat uns sehr überrascht, dass Religiosität nicht in Verbindung mit weniger Depression und Angst gebracht werden konnte.» Entscheidend dafür, ob der Glaube Heil oder Unheil bringt, ist nach Angaben der Forscher das Gottesbild der Gläubigen. «Sehen sie Gott positiv als gütigen, vergebenden Vater, der ihnen in schweren Zeiten zur Seite steht, dann hilft das, in der Belastung einen Sinn zu finden», erklärt Bernd Krämer. «Wer aber ein negatives Gottesbild hat und Gott als Rächer sieht, der den Menschen für seine Sünden straft, tut sich schwerer, mit Belastungen umzugehen.» Menschen mit einem negativen Gottesbild empfinden etwa ihre eigene Krebserkrankung oder den Tod des Partners als Strafe für ihr eigenes Fehlverhalten. Oder sie hadern mit ihrem Schicksal, indem sie sich fragen: Warum mutet mir Gott so etwas zu, obwohl ich doch immer streng nach christlichen Grundsätzen gelebt habe? Krämer plädiert dafür, dass Spiritualität in der Behandlung psychischer Störungen künftig eine größere Rolle spielen sollte. «Es ist wichtig, dass die behandelnden Ärzte in den Kliniken vermehrt ein Augenmerk darauf haben, wie Patienten mit der Religion umgehen. Sie müssen negative Gottesbilder identifizieren und darauf reagieren können», sagt Bernd Krämer. «Bisher wird Religiosität in der klinischen Versorgung nur unvollständig erfasst.» Ausserdem sei es wichtig, weitere Studien zu dem Thema durchzuführen. Krämer: «Wir sind weit davon entfernt, den Einfluss der Religion auf die Psyche vollständig erfassen zu können.» Für Urs Winter, Psychologe und Theologe aus St. Gallen, auf dessen Doktorarbeit die Studie der Universität Zürich basiert, zeigt das Ergebnis, dass Religion zwei Gesichter hat. «Der Glaube ist per se nicht nur positiv», sagt Winter. «Er hat auch eine negative Seite.» So gebe es Lebenssituationen, die den Menschen den Boden unter den Füssen wegziehen würden. «Da werden zentrale Lebensüberzeugungen infrage gestellt und erschüttert», sagt Winter. «So auch religiös-spirituelle Überzeugungen.» Wer in eine solche Situation kommt, braucht nach Urs Winters Überzeugung Hilfe. Deshalb sei es wichtig, dass Religion in Spitälern wieder eine größere Rolle spielt. «Man muss den Menschen ausgebildete Seelsorger an die Seite stellen, die ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind.» Auch könne jeder Mensch daran arbeiten, ein positiveres Gottesbild zu formen. Winter: «Ein Patentrezept für einen gesunden Glauben gibt es aber nicht.» Zu einem Glaubensverzicht aus Gesundheitsgründen wollen die Forscher jedoch nicht aufrufen. «Natürlich darf man noch glauben», sagt Bernd Krämer. «Denn Religion ist im Grunde etwas Gutes. Aber man muss aufpassen, dass man das nicht zu sehr generalisiert.» Und auch Urs Winter sagt: «Wenn jemand eine Sinnkrise durchlebt, selbst wenn er ein negatives Gottesbild hat, heisst das noch lange nicht, dass aus dieser Krise nicht auch etwas Positives entstehen kann. Die entscheidende Frage, die sich jeder in diesem Zusammenhang stellen muss, lautet: Was gibt mir Halt und Sinn im Leben?» (Quelle: Sonntag AZ)
Pseudo-Pillen gegen Schmerz und Schlaflosigkeit - Deutsche Ärzte setzen auf Placebos
Die Wirkkraft von Placebos (Medikament ohne Wirkstoff) wird von medizinischem Personal sehr geschätzt. 53 % der Mediziner und 88 % der Pflegekräfte setzen sie zur Linderung von Schmerzen und Schlaflosigkeit ein. In einer Querschnittsuntersuchung der Medizinischen Hochschule Hannover wurden Klinikmitarbeiter zur Verwendung von Scheinmedikamenten befragt. Die Fragebögen von 107 Schwestern und Pflegern und von 71 Ärzten wurden dazu ausgewertet, berichten Dr. Michael Bernateck von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Kollegen in der Zeitschrift „Der Schmerz“. Von den behandelnden Ärzten verabreichten 53 % Placebos, bei den Pfleger/innen waren es 88 %. Am häufigsten wurden sie bei Schmerzen und Schlaflosigkeit eingesetzt. Pflegekräfte sind meist der erste Ansprechpartner für Patienten, was die Unterschiede zwischen Ärzten und Pflegepersonal teilweise begründen könnte. Die Wirkung der Scheinmedikamente wurde von ihren Verwendern hoch eingeschätzt: 35 % glaubten, dass sie manchmal helfen, 62 % meinten Placebos wirken oft, und 3 % der Anwender waren sogar überzeugt, dass sie immer helfen. Keiner der Befragten hielt Placebos für komplett wirkungslos. (Quelle: Medical Tribune 24/2009)
Fataler „Nocebo-Effekt“ - Die Macht der schlechten Gedanken
Eingebildete Risiken, die Angst vor Nebenwirkungen und voreilige Diagnosen können Patienten massiv schaden. An einem späten Abend hatte Vance Vanders eine unheimliche Verabredung. Auf dem Friedhof seines Heimatortes in Alabama traf er einen Mann, der im Ruf stand, ein Hexendoktor zu sein. Der Magier nahm eine Flasche mit stinkender Flüssigkeit, schwenkte sie vor Vanders Gesicht herum und prophezeite ihm, dass er bald sterben müsse und niemand ihn mehr retten könne. Vanders war wie erschlagen. Zu Hause ging es ihm stündlich schlechter. Bald war er so ausgezehrt, dass er ins Krankenhaus musste. Die Ärzte fanden keine Erklärung für seinen miserablen Zustand. Dann erzählte Vanders Frau einem Arzt von den Verwünschungen des Hexenmeisters. Der Mediziner war zunächst ratlos, dann fasste er einen Plan. Er rief die Familie des Patienten am Krankenbett zusammen und erzählte, dass er den Hexer zur Rede gestellt habe. Der Medizinmann hätte demnach Eidechseneier in Vanders Magen gebracht, die Tiere wären geschlüpft - ein Reptil sei im Körper geblieben und würde Vanders nun langsam von innen auffressen. Auf Geheiß des Arztes kam eine Krankenschwester mit einer riesigen Spritze mit Brechmittel. Unter großem Zeremoniell spritzte der Doktor das Emetikum und der Patient begann sich vehement zu übergeben. Im Trubel zog der Arzt eine Eidechse aus seiner Tasche, die er triumphierend zeigte: "Schau, Vance, was aus Dir herausgekommen ist", sagte er. "Der Zauber ist vorbei." Der Patient trank einen Schluck Wasser und fiel in tiefen Schlaf. Es ging ihm von Tag zu Tag besser, nach einer Woche wurde er entlassen. Mehrere Ärzte bezeugten den Fall, der sich um 1930 zugetragen hatte. Vanders hatte Glück im Unglück, denn er überlebte den Fluch dank seines gewitzten Arztes. Andere Menschen sterben an der Kraft schlechter Gedanken. Solche Ereignisse finden sich keineswegs nur in der Geschichte oder bei Menschen, die an Voodoo glauben. Die Verwünschungen kommen heute nur in anderem Gewand daher. Neuerdings untersuchen Ärzte, welche mächtige Wirkung negative Gefühle in der Medizin entfalten. Die Nozebos (wörtlich: "Ich werde schaden") gelten in der Forschung als Gegenstück zum Plazebo. US-Psychologen konnten zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit an Herzschlag zu sterben, für Frauen dreimal so hoch ist, wenn sie glauben, dass sie besonders anfällig für einen Infarkt sind. "Depressivität und negative Gefühle erhöhen bei allen Menschen die Gefahr für einen Infarkt so stark wie Bluthochdruck", sagt Karl-Heinz Ladwig, Herzexperte in der Psychosomatik der Technischen Universität München. Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit in den sechs Monaten zuvor seien so typisch für drohenden Infarkt, dass Ärzte den Beschwerden mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Fast jeder Patient kennt auch das Phänomen, dass er Nebenwirkungen erleidet, wenn ihm Nebenwirkungen vorhergesagt werden. "Schlechte Neuigkeiten fördern schlechte Physiologie", sagt Clifton Meador von der Vanderbilt-Universität. Krebsärzte wissen, dass etlichen Patienten bereits vor der Chemotherapie schlecht wird und sie Tage vorher oder auf dem Weg ins Krankenhaus erbrechen müssen. Es ist die Erwartungshaltung, die ihnen übel aufstößt. Manche Hexenmeister tragen heute Kittel und Stethoskop. In seiner aktuellen Ausgabe berichtet der "NewScientist" beispielsweise von einem Fall aus den 1970er Jahren: Sam Shoeman, bei dem Leberkrebs im Endstadium diagnostiziert wurde. Shoeman, seine Familie und auch seine Ärzte glaubten, dass er nur noch wenige Monate zu leben hatte. Der Kranke hielt sich an die Prognose und starb nach einigen Wochen. Als der Leichnam untersucht wurde, wunderten sich die Ärzte. Der Tumor war mit zwei Zentimetern Durchmesser relativ klein geblieben, hatte keine anderen Organe infiltriert und auch keine Metastasen gebildet, ergab die Autopsie. "Der Mann starb nicht an Krebs, sondern daran, dass er glaubte, an Krebs zu sterben", sagt Clifton Meador, der solche Fälle genauer untersucht hat. "Wenn man von allen so behandelt wird, als ob man bald sterben müsse, glaubt man das irgendwann. Alles im Leben dreht sich dann nur noch um das Sterben." Meador findet daran nichts Mystisches, auch wenn er versteht, dass viele Menschen sich nicht vorstellen können, dass symbolische Handlungen, Vorstellungen oder Worte bisweilen sogar tödliche Kraft entfalten können - "das fordert das bio-molekulare Bild vieler Ärzte heraus". Nicht alle Mediziner glauben an dieses Weltbild. "Eine Behandlung oder eine ärztliche Diagnose hat nicht bei jedem Menschen die gleiche vorhersagbare Wirkung", sagt Bernd Hontschik, der als Chirurg in Frankfurt arbeitet und dafür eintritt, die Psychosomatik in jede ärztliche Fachrichtung zu integrieren. "Bei jedem Patienten ist das anders, je nachdem welche Bedeutung der Mensch der Therapie oder dem Wort des Arztes erteilt - die kann entsetzlich sein oder aber auch wunderbar wirken." Für Hontschik greift das zweigliedrige Maschinenmodell der Schulmedizin von Ursache und Wirkung zu kurz: "Lebewesen funktionieren nicht wie Maschinen, hier gibt es mindestens noch die Bedeutungserteilung." In seinem Buch "Körper, Seele, Mensch" (Suhrkamp) führt er zahlreiche Beispiele dafür an. So verbindet ein Patient mit der Therapie eine Wunderheilung, der andere denkt, dass er vergiftet wird und erteilt allem, was der Doktor anstellt, eine negative Bedeutung. Als Arzt gehöre die Kenntnis der physikalischen und chemischen Wirkung einer Therapie zwar zur Grundausrüstung. "Ärztliche Kunst besteht aber darin, die Bedeutungserteilung zu kennen und zu nutzen - alles andere kann auch ein Handwerker." In den Arbeiten von Fabrizio Benedetti, Jon-Kar Zubieta oder Manfred Schedlowski wird deutlich, was im Körper passieren könnte, wenn die Kraft schlechter Gedanken zu stark wird. Die drei Wissenschaftler sind renommierte Plazebo-Forscher. Sie haben entdeckt, dass dieselben Rezeptoren im Gehirn angesprochen werden, wenn nur eine schmerzlindernde Wirkung erwartet wird oder wenn tatsächlich ein schmerzstillendes Medikament verabreicht wird. Anders als der Placebo-Effekt ist die Wirkung von Nocebos nicht so gut erforscht. Zubietas Gruppe aus Ann Arbor hat beobachtet, dass negative Erwartungen das Dopamin-System im Gehirn dämpfen. Dopamin gilt als Glückshormon, das euphorische Gefühle vermittelt. Das Team um Benedetti von der Universität Turin entdeckte, dass die Schmerzerwartung über Choleszystokinin vermittelt wird. Blockierten die Forscher den Botenstoff, der die Schmerzerwartung erhöht, tat es weniger weh. "Der Schaden durch Nocebos ist enorm", sagt Manfred Schedlowski, Psychologe an der Universität Essen. "Viele Menschen nehmen ihre Medikamente aus Angst vor den Nebenwirkungen nicht ein - Ärzte müssten besser darüber aufklären." Kaum ein Mediziner sage Patienten, dass Pharmafirmen jede Nebenwirkung, die je aufgetreten ist, auflisten müssen, "auch wenn es wahrscheinlicher ist, vom Blitz getroffen zu werden". Auch unbedachte Äußerungen lösen manche Beschwerden aus. Der amerikanische Kardiologe Bernard Lown zeigt in seinem Buch "Die verlorene Kunst des Heilens", wie vernichtend ärztliche Worte sein können. Bei einer hektischen Visite mit einem schlecht gelaunten Chefarzt hatte dieser zu seinen Assistenzärzten gesagt, dass es sich bei einer Patientin um einen typischen Fall von TS handele. TS steht im Mediziner-Jargon für Trikuspidalklappen-Stenose, eine zumeist nicht lebensbedrohliche Verengung einer Herzklappe. Die Patienten hatte mitgehört und sagte zu Lown nach der Visite: "Das ist das Ende." TS könne ja nur "terminale Situation" bedeuten. Obwohl Lown der Dame erklärte, dass sie sich nicht zu sorgen brauche, verschlechterte sich ihr Zustand rapide. Sie bekam Atemnot, in ihren Lungen sammelte sich Flüssigkeit. Lown alarmierte den Chefarzt, dass er die Patientin dringend aufklären sollte, wie er seine Bemerkung gemeint habe. Als der Arzt gegen 19 Uhr kam, war sie bereits am Lungenödem gestorben. "Tod durch Hoffnungslosigkeit und negative Erwartungen ist eine Steigerung des bekannten Zusammenhangs von Depression und Herztod", sagt Peter Henningsen, Leiter der Psychosomatik an der Technischen Universität München. "Die in vielen Fallberichten geschilderten Symptome wie Todesphantasien oder Schwarzsehen sind ja eindeutig Elemente von Depressivität." Lown hat einige Faustregeln für Patienten entwickelt: Je furchteinflößender die Terminologie eines Arztes und je düsterer seine Prognosen, desto weniger sollte man seinen Anweisungen glauben. "Ein Arzt, der schwarzen Trauerflor aushängt, ist entweder ein Handelsvertreter oder ein Scharlatan, der niemals seinen infantilen Wunsch überwunden hat, den lieben Gott zu spielen", sagt Lown. Ärzte müssen nicht daran beteiligt sein, wenn Patienten schwarzsehen. In Tennessee hatte eine Lehrerin vor Jahren Gasgeruch wahrgenommen und vor der Klasse über Kopfschmerz und Übelkeit geklagt. Mehr als 100 Schüler und Lehrer berichteten nun von denselben Symptomen, obwohl sich der Geruch als harmlos herausstellte und kein Gas ausgeströmt war. Ähnliches ereignete sich in Belgien, als der Geschmack von Cola in Dosen anders war als sonst. Die Dose war mit einer neuartigen Substanz imprägniert. Der Stoff erwies sich als harmlos, dennoch wurden Dutzende Jugendliche in Krankenhäusern behandelt. Nicht immer lassen sich die Symptome so schnell lindern wie bei dem Mann, der sich nach der Trennung von seiner Freundin das Leben nehmen wollte. Er schluckte 30 Tabletten, starke Psychopharmaka, die er im Haus hatte, weil er gerade an einer Studie teilnahm. Er brach kurz darauf zusammen, im Krankenhaus ging es ihm immer schlechter. Bald kam allerdings der Arzt vorbei, der die Studie geleitet hatte. "Er war doch in der Kontrollgruppe", sagte der Mediziner. Die Pillen, die er geschluckt hatte, waren vollkommen harmlos. Augenblicklich verschwanden alle Symptome, die er mit der Kraft schlechter Gedanken heraufbeschworen hatte. (Quelle: SZ, 4.7.2009)
England: Nationaler Gesundheitsdienst empfiehlt Akupunktur und chiropraktische Anwendungen
Patienten mit Kreuzproblemen sollen, so rät der britische National Health Service (NHS), unter anderem Akupunkturbehandlungen und Manuelle Therapie angeboten werden. Es handelt sich dabei um die erste Empfehlung zur Anwendung alternativen Heilmethode durch ein nationales medizinisches Gremium, die somit auch durch den Träger, das Nationale Institut für National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE), unterstützt wird. Laut NICE, dem britischen Vorbild des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), liegen Beweise für die Wirksamkeit von Akupunktur zumindest bei Rückenbeschwerden vor. Zudem sei die Behandlungsmethode kostengünstiger als eine Fortführung bisheriger schulmedizinischer Behandlungen im Falle, dass keine Besserung zu erwarten sei. "Patienten, deren Schmerzen nicht von der Schulmedizin gelindert werden können, sollten Zugang zu einer Auswahl unterschiedlicher Therapieanwendungen bekommen, zu denen neben Sport-Therapie auch Akupunktur und chiropraktische Manuelle Therapie zählen", erklärte Professor Peter Littlejohns vom NICE gegenüber der BBC.
Für alternative Behandlung: lieber privat versichern
Unter den Wahltarifen, die die gesetzliche Krankenversicherung seit dem GKV-Wettbewerbsstärkungs-Gesetz anbieten darf, finden sich auch einige für Alternativmedizin. Doch die Zeitschrift Finanztest nennt im aktuellen Heft 7/2009 Nachteile und rät im Ergebnis zu einer privaten Zusatzversicherung. Kassenpatienten haben keinen Anspruch auf homöopathische oder anthroposophische Medikamente, unabhängig von einer Verschreibung durch einen Arzt. Insgesamt 17 Krankenkassen, so hat es Finanztest recherchiert, bieten nun einen Wahltarif an, mit dem solche Kosten übernommen werden. Allein sieben Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK) sind darunter, aber auch beispielsweise die Signal Iduna IKK. Der Beitrag für diesen Wahltarif wird anders als der normale Kassenbeitrag unabhängig vom Einkommen kalkuliert, nur das Alter spielt bei ihm eine Rolle. Für 35-jährige Versicherte beispielsweise werden zwischen 5,90 Euro von der Techniker Krankenkasse bis hin zu 19,10 Euro monatlich von der Knappschaft verlangt. Doch vor der Wahl dieses Wahltarifs ist Verschiedenes zu bedenken, warnt Finanztest. Viele alternativmedizinische Medikamente kosten nur relativ wenig, sodass sich der Wahltarif schon allein aus diesem Grund nur für ganz bestimmte Medikamentengruppen lohnt. Und das, zumal die Erstattung von Medikamenten auch im Wahltarif begrenzt wird. Und zwar oft auf nur 80 bis 90 Prozent des Medikamentenpreises sowie absolut auf wenige 100 Euro, bei den AOK zum Beispiel auf 180 Euro im Jahr für 35-Jährige. Als nächstes muss ein Interessent prüfen, ob seine Medikamente nicht möglicherweise auf der „Negativliste“ des Gemeinsamen Bundesausschusses stehen, so Finanztest. Denn die darin enthaltenen Präparate darf die Kasse auch nicht im Wahltarif erstatten. Viel entscheidender aber sei noch etwas anderes, so die Tester weiter. Wirklich teuer sind bei der Alternativmedizin nicht die Präparate, sondern die Behandlung. Kassenpatienten können sich trotz Wahltarif zwar beispielsweise von einem Facharzt für Homöopathie behandeln lassen, dessen Zusatzaufwand wird aber nur von zehn der 17 verglichenen Krankenkassen vergütet. Unter insgesamt 113 im vergangenen Jahr getesteten Kassen waren 65 bereit, Mehrleistungen für die homöopathische Behandlung zu übernehmen. Ganz außen vor sind Heilpraktikerleistungen, die Kassen nicht übernehmen. Einen weiteren großen Nachteil kaufen sich Kassenpatienten mit diesem wie auch mit allen anderen Wahltarifen ein: Sie dürfen drei Jahre lang weder die Kasse wechseln noch von der gesetzlichen zur privaten Krankenversicherung übertreten, selbst wenn sie die sonstigen Voraussetzungen wie insbesondere mindestens drei Jahre aufeinander folgendes Einkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgelt-Grenze erfüllt haben. Deshalb kommt Finanztest zu einem deutlichen Fazit. Die private Zusatzkranken-Versicherung ist mindestens für denjenigen die bessere Wahl, der sich auch vom Heilpraktiker behandeln lassen oder andere als nur homöopathische Therapien wählen möchte. Als besonders günstige Zusatzversicherungs-Pakete, die diese Leistungen enthalten, nennt Finanztest die Tarife DKV (AM8), Inter (GE2) und Deutscher Ring (Med 100). (Quelle: Versicherungsjournal, 23.6.2009)
„Wunderheilung“ für 40 000 Euro Ihre Leichtgläubigkeit ist einer 69jährigen Rentnerin aus Traunreut/Chiemgau zum Verhängnis geworden. Die alte Dame ist auf eine „Wunderheilerin“ hereingefallen, die sie um ihre gesamten Ersparnisse von 40 000 Euro gebracht hat. Auf einem Parkplatz war sie von einer anderen Frau auf ihr Aussehen hin angesprochen worden. Diese behauptete, dass die alte Dame sehr krank aussehe, aber sie könne sie heilen. Dazu müsse sie allerdings ihr gesamtes Geld herbringen und nach der „Segnung“ würde sie es dann wieder zurückbekommen. Die Rentnerin eilte rasch nach Hause und holte dort ihre ganzen Ersparnisse in Höhe von 40 000 Euro. Die Wunderheilerin nahm das in Zeitungspapier eingewickelte Geld entgegen und vollführte dann ein Heilritual. Anschließend steckte sie das Geldpaket der Eigentümerin in die Handtasche und schickte sie nach Hause. Erst dort fiel die Geprellte „aus allen Wolken“, als sie bemerkte, dass ihr Geld weg war; sie erstattete Anzeige. (Nach Chiemgau Online, 15.6.2009)
Nickerchen macht kreativer Wer über einem Problem einschläft, erhöht seine Aussichten, auf die zündende Idee zu kommen. Ein kalifornisches Forscherteam unterzog Freiwillige einem Kreativtest, und zwar am Morgen und nochmals am Nachmittag. Vor dem zweiten Test hatten die Teilnehmer entweder ein Mittagsschläfchen mit oder ohne REM-Phasen hinter sich - oder sie hatten einfach nur geruht, ohne zu schlafen. Beim Nachmittagstest schnitt nur die REM-Gruppe besser ab als am Morgen, und zwar gleich um 40 Prozent. Die Übrigen erbrachten zu beiden Testzeitpunkten etwa die gleiche kreative Leistung. Beim allgemeinen Gedächtnis gab es keine Unterschiede zwischen den drei Gruppen, heißt es in einer Pressemeldung der University of California, San Diego. Die Forscher vermuten, dass durch die Veränderung biochemischer Stoffe im Gehirn im REM-Schlaf neue Verbindungen zwischen bisher isolierten Informationen zustande kommen; REM (Rapid Eye Movement)-Schlaf fördert kreative Problemlösungen, indem Assoziationnetzwerke im Gehirn ausgebildet werden. Für das Gedächtnis hat die REM-Phase dagegen anscheinend keine Bedeutung. (MT Online 25/09)
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