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Das System Familie als therapeutische Herausforderung


Dass Kinderheilkunde darin bestehen muss, kranke Kinder zu behandeln, hört sich trivial an, ist tatsächlich aber ein fataler Irrtum, zumindest aber eine einseitige Betrachtungsweise, die effektivere Ansätze verhindert. Warum holt die Stiftung AUSWEGE alljährlich nicht nur Kinder in ihre Camps, sondern legt größten Wert darauf, dass Vater und Mutter – ja, möglichst beide Elternteile – mitkommen, und heißt selbst Geschwister willkommen?

Familie-puzzle02Weil all unsere bisherigen Camps nachdrücklich bestätigen, was holistischen Medizinern immer schon klar war: Patienten, große wie kleine, sind untrennbarer Teil eines sozialen Systems, das mitberücksichtigt und mitbehandelt werden muss. In der Geschichte einer Familie, in den Beziehungen der betroffenen Kinder zu ihren Eltern und anderen Angehörigen, finden sich häufig ausschlaggebende Ursachen oder zumindest mitbedingende Umstände der Erkrankung, wie sich umgekehrt die Erkrankung in vielfältiger Weise auf jedes einzelne Familienmitglied und ihr Miteinander auswirkt. Oftmals ist das System als ganzes unheil; kommt es mit all seinen Teilen ins Gleichgewicht, wachsen Therapiechancen. Natürlich geht es in unseren Camps in erster Linie darum, die Symptome der uns anvertrauten Kinder zu lindern. Doch dies gelingt häufig erst, wenn Angehörige als Kotherapeuten gewonnen, mit den Hintergründen der Erkrankung vertraut gemacht, zu Einsichten geführt, für Verhaltensänderungen und Beziehungsarbeit gewonnen werden. Die verblüffenden Fortschritte, die Sorgenkinder wie Fabian, Leonhard und Ferdinand bei uns im Schwarzwald binnen einer Woche machten, wären andernfalls unmöglich gewesen.

Doch wenn die Belastungen bleiben: Sind unsere Bemühungen dann erfolglos, vergeblich gewesen? Noch in keinem Camp, auch nicht 2011, sind Cerebralparesen, Tetraspastiken oder Makrocephali wundersam weggezaubert worden; mit minimal gebesserter Symptomatik dauern sie an, und daran wird sich voraussichtlich wenig ändern, solange die Betroffenen leben. Trotzdem hat, in einem tieferen Sinne, Heilung stattgefunden: Heilung von Geist und Seele der Eltern, Heilung ihrer Beziehung zu ihrem schwer gehandicappten Kind, Heilung ihres Verhältnisses zueinander. In unseren Camps lernen Väter und Mütter, ein solches Kind auch als Geschenk wahrzunehmen, nicht als ungerechten Schicksalsschlag, sondern als Chance zu persönlichem Wachstum, nicht als Ergebnis unglücklichen Zufalls, sondern als Herausforderung voller Sinn. Die Camp-Tagebücher vieler Eltern bezeugen, dass diese Botschaft ankommt. „Meine innere Verbindung zu Leila“, so schrieb ihre Mama am letzten Camptag stellvertretend für viele Andere, „hat sich durch die Heilsitzungen positiv verändert: Mir wurde gezeigt, wie ich mich mit ihr auf andere Weise als bisher verbinden und mit ihr ‚sprechen’ kann. Nach dieser Woche sehe ich Leila in einem anderen Licht. Es fließt noch mehr Liebe zwischen uns, und ich fühle ihr gegenüber eine tiefe Dankbarkeit und großen Respekt.“ Für den Vater des vermeintlich ADHS-kranken Fabian war entscheidend: „Im vielen Gesprächen wurde unsere familiäre Problematik auf den Punkt gebracht. Allein dafür hat es sich gelohnt, ins Camp zu kommen.“ (HW)

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